Der Titel „An intimate evening with David Copperfield“ hätte schon der Inhalt der Show erahnen lassen können. Trotzdem haben sich viele Kritiker lang und breit negativ über die Show ausgelassen. Zu unspektakulär, die Karten zu teuer, zu wenig Tricks, zu viele Altherrenwitze….
Nuuuun…zugegeben, der Abend ist ganz anders verlaufen, als ich ihn mir vorgestellt hätte. Meine Vorstellung von Copperfield beinhaltete immer ziemlich viele schwülstige Showeinlagen, Feuerwerk, Glitzer und übertrieben bombastische Musik, gepaart mit einem schleimig-schmierig anmutenden perfektem Schwiegersohn-Imitat mit wehendem Rüschenhemd.

Ich habe mich geirrt.

Kein Rüschenhemd, sondern nur ein unscheinbares blaues Hemd und augenscheinlich das einzige, das der gute Mann besitzt, wenn man dem mehrere Jahre umfassenden kurzen „Best-of-Copperfield“-Filmchen, der zum anheizen vorgeführt wurde, Glauben schenken darf. Oder er hat wie bei „Last Action Hero“ mindestens 320 dieser Hemden im Schrank. Vielleicht schmutzt das Hemd ja auch nicht oder er zaubert es sich immer wieder sauber. Wer weiß das schon. Zumindest sieht der gute Mann damit kumpelhaft normal aus und das unterstreicht seine Tricks eher noch. So nach dem Motto: Hey schaut mal, ich bin ein jedermann und laufe mal eben durch eine solide Metallplatte. Wuppdi. Wer tut das nicht in seiner Freizeit?

Eben diese Normalität hat mich völlig kalt erwischt. Ich hatte nicht damit gerechnet, auf der Bühne einen witzigen, schlagfertigen, sich ständig über sich selbst beömmelnden Standup-Comedian zu sehen, der die Zuschauer geschickt in die Show miteinbezog und dabei unglaublich sympathisch war. Zugegeben, die Show war wahrscheinlich von vorne bis hinten durchchoreographiert, sämtliche Zwischenrufe des Publikums berechnet oder gar gefaked und Copperfield wirkte teilweise wie ein Eichhörnchen auf Speed, aber hey, es war überraschend unterhaltsam, ihn dabei zu beobachten.
Eben auch, weil so ganz anders als gedacht und angenehm bizarr, wie z.B. der Einsatz der sehr biegsamen Heino-Barbiepuppe. Die Zaubertricks wirkten dagegen etwas deplaziert und wurden eher wie eine lästige Trockenübung durchgeführt, der Magier hatte sichtlich mehr Spaß damit, das Publikum auf den Arm zu nehmen. So hatten manche Tricks auch arg lange Anlaufphasen und zündeten teilweise nicht richtig. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sich ein deutsches Publikum wohl doch von den tränendrüsigeren Amis unterscheidet und solche Sachen wie „Mein Opa hat damals immer Lotto gespielt und konnte sich nie sein Traumauto leisten“ tierisch überzogen wirkten. Und doch hat es mich aus den Socken gehauen, als plötzlich dieses Auto auf der Bühne stand. Groß. Verfickt groß. Da ist man mal eine Sekunde unaufmerksam…und dabei habe ich doch versucht, ihm die ganze Zeit auf die Finger zu schauen, und die Tricks zu erahnen. Was meistens nicht schwerfiel, vor allem bei den bekannteren Sachen. Aber dieses Auto….*kopfschüttel* Grosses Lob an die Techniker im Hintergrund!

Sehr spassig war auch, als der Copperfield verschwand und kurz darauf –hopplahop- aus einer Kiste mitten im Publikum wieder auftauchte. Der Opa, der vor der Kiste sass, stand sichtlich kurz vorm Herzinfarkt vor Schreck. Ich habe mich vor Lachen weggeschmissen, meiner Mutter hat (trotz diverser Spotlights auf die Kiste) von dem nichts mitbekommen. „Wieso klatschen die denn jetzt alle? Was ist denn los?“ *gnicker*
Und während ich noch überlegte, wie der gute Mann an dem ahnungslosen Opa vorbeihuschen konnte, hatte mein Vater mich auch schon desillusioniert und mich über die geheimen Versorgungstunnel unterhalb der Stadthalle in Kenntnis gesetzt. Würstchenanlieferer wissen halt Bescheid über so was :-D
Außerdem hat Vattern eine unglaubliche Sprachkompetenz bewiesen. Es war zwar ein Übersetzer auf der Bühne, aber der hat eben nicht alles übersetzt und teilweise hatte mein Vater, obwohl er kein Wort englisch kann, den Witz schneller begriffen, als der Übersetzer ihn übersetzen konnte.
Sehr spassig.
Apropos Sprachkenntnisse, auch das war ein unerschöpflicher Quell von Flachwitzen für den Magier. „Sprechen Sie deutsch“ war schnell das geflügelte Wort des Abends und es ist unglaublich, wie gezielt man Sachen falsch verstehen kann. ;)

Weil der kommunikative Teil und das Spiel mit dem Publikum in dieser Show sehr überzogen war, gab es nur wenige Tricks zu sehen. Mal schauen, ob ich sie noch zusammenbekomme.
Erstmal natürlich das typische „Ich zappe mich mit meinem Motorrad auf die Bühne“, dann „Ich beame mich durch eine solide Metallplatte“ und „Ich schrumpfe bis auf Kopf und Füße vollständig zusammen“, „Ich zaubere ein Auto auf die Bühne“, diverse Kartentricks, diverse Gänse-verschwinden-lassen-Tricks, darunter auch eine sehr spassige Einlage, in der er uns diesen Tricks bis ins Detail erklärte, in dem er ihn in Zeitlupe vorführte. Man konnte so den schwarz-kostümierten Mitarbeiter erkenne, der sich in Zeitlupe die Gans griff und sie in eine Kiste stopfte. *gnicker*
Außerdem gab es den „Ich zappe eine zufällig ausgewählte Zuschauerin auf die Bahamas“-Trick (jaja, nerv, das war schon arg überzogen) und die „Ich zappe 10 Zuschauer von der Bühne weg“-Einlage und halt besagte „Opa-Herzinfarkt-Verpaß-Einlage“

Das war es auch schon im Groben und Ganzen. Eine sehr spartanische Bühne, wenig Ausstattung, wenig Showeffekte, dafür ein sehr charismatischer Alleinunterhalter mit genügend Selbstironie, um die Show nicht lächerlich wirken zu lassen. Es war ganz anders, als ich dachte, aber ich kann mich nicht beschweren, denn ich bin sehr gut unterhalten worden. Erstaunlich gut. Ich war zwar nicht wie wohl beabsichtigt verzaubert und zu Tränen gerührt, aber ich war daueramüsiert, verblüfft und wenigstens bei der Auto-Enthüllung wie vom Donner gerührt. Falls der gute Mann in ein paar Jahren noch mal wiederkommt, werde ich wohl erneut dabei sein. Vielleicht hat er bis dahin ein paar neuere Tricks oder ein paar Schwänke aus seiner Jugend, die ich noch nicht kenne :-D