Eragon
Eragon lässt sich am einfachsten mit drei Wörtern kategorisieren. "Fantasy für Einsteiger" Was keineswegs nur abwertend gemeint ist. Der Film ist handwerklich solide gestaltet, auch wenn er sich damit eher an die Fantasy Filme der achtziger Jahre anlehnt als an eine moderne Produktion. Man hat das Gefühl, dies alles schon x-mal gesehen zu haben. Die Geschichte, die Laiendarsteller, das Robin-of-Sherwoord-Ambiente, die Spezialeffekte. Es gibt nichts, was einen vom Hocker haut oder gar staunen lässt. Es wirkt eher wie eine wohlvertraute Gute-Nacht-Geschichte mit vielen kindgerechten Klischees und Plot-Holes.
Der jugendliche Held Eragon wächst nach dem Tod der Eltern bei seinem Onkel auf und träumt davon, die Farm zu verlassen, am Besten mit seinem Cousin, der gerade vor den Soldaten des Königs flieht, die alle Dorfhalbstarken für einen ominösem Krieg rekrutieren. Bemerkenswert scheint, dass die Soldaten sich anscheinend schon länger im Dorf aufhalten immer mal wieder den Nachwuchs schanghaien. So scheint es im ganzen Reich zuzugehen. Da stellt sich mir jedoch die Frage, wieso der König diese ausgebildeten Krieger nicht selbst in den Kampf schickt? Aber ich will nicht kleinlich werden. Immerhin hat mir der König mit einer der lächerlichsten und absurdesten Textzeilen seit langem einen minutenlangen Lachkrampf beschert. Am Anfang dieser Geschichte berichtet der gesichtslose Erzähler uns davon, dass dem König ein Stein entwendet wurde und dass er dieses sehr bedauere, worauf eine Großaufnahme auf einen katatonischen John Malcovic fiel, der mit Grabesstimme und völlig emotionslos "Ich leider ohne meine Stein" vom Teleprompter ablas.
Göttlich!
Selbiger Stein wurde ihm von dem obligatorischen jugendlichen Prinzessinnenschneckchen entwendet und fand durch magische Weise seinen Weg zu Eragon und siehe da, es ist gar kein Stein, sondern man höre und staune:
Ein Ei!

Was auch bald (nach einer sehnsuchtsvollen Sonnenuntergangszene (been there, seen that) aufgeht und Platz schafft für einen knuddeligen Knuffelflugsaurier (ich sehe schon das Merchandising!). Kurz darauf geht Eragon Drachensteigenlassen und schwupps ist das Biest schon volljährig. Aber diese Drachen haben ja eh die absolute Arschkarte gezogen. Nicht nur, dass sie keine Kindheit und Jugend haben, nein, erst warten sie ewig im Ei, bis endlich mal das richtige Herrchen des Weges kommt und dann sind sie auch noch auf Gedeih und Verderb an selbiges gefesselt. Stirbt der Reiter, stirbt auch der Drache. Stirbt der Drache hingegen, kann der Reiter durchaus noch weiterleben. Kein Wunder, dass sich da manche Echse den schuppigen Popo aufreißt, um Herrchen am Leben zu erhalten. Das hat nix mit Loyalität zu tun. Das ist reiner Überlebenstrieb. Egal, der Drache ist also flugs volljährig, weiblich und steht in telepathischem Kontakt mit Eragon, denn nur so kann selbigem eröffnet werden, dass er die letzte Rettung der Welt etc. ist. Kurzem also der absolute Mörderstecher. Das fällt angesichts des Milchbubis schwer zu glauben, aber nun ja. Wie es sich für Fantasy-Filme gehört, wird ihm ein Mentor in Form eines desillusionierten Drachenreiters zur Seite gestellt und ab geht ins Gebirge auf einen langen Ritt durch schöne Landschaften, die sich durch einen eklatanten Mangel an den Bevölkerung und McDonalds-Restaurants auszeichnen.
Diese Szenen dienen für's obligatorische Bonding zwischen Held, Mentor und Drache.
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Der König leidet derweil noch immer ohne seinen Stein und schickt seinen Hofzauberer (erinnert ihr euch noch an den cholerischen Begby aus Trainspotting?) auf die Jagd, wobei natürlich auch Onkelchens Farm niedergebrannt wird. (Been there, seen that).
Unterdessen rettet Eragon Prinzesschen, bringt den Mentor unter die Erde und freundet sich mit Murtagh, dem Sohn des Drachenreiters an, der den Drachen seines Mentors tötete und dafür selbst hops ging. (Hach die Welten sind in Fantasy-Filmchen immer so verflucht klein, da kennt jeder jeden).
Zusammen reiten sie zu den Warden, quasi den Rebellen des Königreichs und greifen den Todesstern an. Äh, nein, der Todesstern (in Form einer Monsterfledermaus) greift sie an, sie verteidigen sich nur, klar, sind ja auch die Guten. Es folgt ein Luftkampf zwischen Godzilla und in Mothra und ratet mal, wer gewinnt!

SEUFZ!

Das größte Problem des Filmes ist die mangelnde Innovativität in absolut jeder Hinsicht. Okay, ist natürlich blöd, dass alles schon mal da gewesen ist und ist mir auch klar, das eine Generation heranwächst, die all diese Klischees vielleicht noch nicht kennt, aber halloooo......... so lange sind die 80ger auch noch nicht her, dass man spontan alles vergessen hätte, oder? Der Film ist zwar ok, aber er bietet absolut nicht, was man nicht schon woanders gesehen und vor allem besser gesehen hätte. Wenn das mein aller-aller-allererster Fantasy-Film, wäre, wäre er absolut in Ordnung, nichts daran auszusetzen. Thema stimmt, Technik stimmt, Illlusion stimmt, Stimmung ist ok, aber nach heutigem Stand der Dinge....*seufz*...kommt nicht mal ein nostalgische Feeling auf. Es ist einfach langweilig. Man weiß was kommt, man weiß, wie der Hase läuft. Ok,, es ist nicht so langweilig wie z.B. Narnia, aber immer noch vorhersehbar und langweilig genug. Schade eigentlich. Ich hatte mir mehr erhofft.
Vielleicht bin auch einfach schon zu alt dafür.

Aber ich hatte viel Spaß damit, Jeremy Irons (hier in der Rolle des Brom, Mentor und Ex-Drachenreiter (hey, das klingt wie eine Boy-Band)), zu beobachten. Egal, welche Rolle dem Mann zugeteilt wird, irrer Terrorist, idelogischer Musketier, machthungriger Löwe oder lächerlicher Großinquisitor, er nimmt alles gleich ernst und spielt es mit einer überwältigenden Glaubwürdigkeit. Hut ab! Diesen Mann agieren zu sehen, ist es allemal wert! Und richtig schlecht ist der Film ja auch nicht. Eher wie ein alter Mantel, der einem nach all den Jahren immer noch passt. Trotz allem. Gut genug, um zwei Stunden Spaß zu haben und nicht allzu sehr zu leiden dabei. Es sei, denn, man vermisst seinen Stein (siehe oben). *gnicker*