El Laberinto del fauno
In diesem Film wurden geschickt zwei Geschichten verflochten, die auch jeweils gut für sich alleine stehen könnten. Teils laufen sie parallel, teil kreuzen sie sich, teils ergänzen sie sich und am Ende machen nur sie zusammen das Bild komplett.

Im faschistischen Spanien des zweiten Weltkriegs erreichen die kleine Ofelia und ihre hochschwangere Mutter den Wohnsitz Capitan Vidals, der einen einsamen Krieg gegen die Partisanen führt. Er weiß nicht, das seine Haushälterin Mercedes, die einen Bruder bei den Aufständischen hat, diese unterstützt, ebenso wie sein Leibarzt, der Morphium für die Verwundeten liefert.
Vidal ist ein gnadenloser Sadist, dem ein Menschenleben nichts wert ist. Für ihn zählt nur Ruhm und Ehre und das Vaterland und natürlich, einen Sohn zu zeugen, der diese Ehre weiterträgt.
In dieses trostlose Setting gerät nun das junge Mädchen, die laut Drehbuch eigentlich noch jünger sein sollte. Aber die Schauspielerin war so überzeugend im Vorsprechen, dass sie trotz „fortgeschrittenen Alters“ die Rolle bekam.
Eine gute Entscheidung.
Ofelia verfolgt nun im Wald eine große Heuschrecke, die sie für eine Fee hält bis tief hinein in ein Gartenlabyrinth, in dessen Mittelpunkt sie auf einen Faun (in der deutschen Version fälschlicherweise als Pan bezeichnet) trifft. Dieses alte Naturgeschöpf eröffnet ihr, dass sie eine verlorengegangene Prinzessin sei und dass ihr Vater überall in dieser Welt Tore aufgestellt habe, durch die sie zurückkehren könne. Hier sei nun das letzte Tor und die Zeit bald abgelaufen und dann müsse sie auf ewig in menschlicher Gestalt weiterleben. Doch wenn es ihr gelänge, drei Aufgaben zu lösen, würde sich das Tor öffnen und sie könnte zurück in ihr Reich und zu ihrem Vater, der in der echten Welt längst gestorben ist.
Während das Leben am Hofe des Capitan Vidal seinen grausamen Lauf nimmt, nähert sich Ofelia den Aufgaben an. Zunächst gilt es, in einer Baumhöhle eine fette Kröte zum Platzen zu bringen, die einen Schlüssel in sich trägt. Als zweites muss sie mit magischer Kreide eine Tür an die Wand ihres Schlafzimmers zeichnen, um in ein Zwischenreich zu gelangen, wo der bleiche Mann zu Tisch sitzt.

Ich sag nur WIDERLICH!

Also so etwas eklig-furchteinflössendes habe ich lange nicht mehr gesehen.
Ofelias Mutter hatte kurz zuvor fast eine Fehlgeburt und heftige Blutstürze. Analog dazu erscheint diese Fantasie. An einer festlichen Tafel voller roter Lebensmittel sitzt ein starrer, bewegungsloser, augenloser, nackter, unbehaarter, beängstigend dünner Mann mit erschreckend spitzen Zähnen. Seine Augäpfel hat er auf einem Teller vor ihm abgelegt. Die Wand zieren Bilder seiner Untaten, genussvoll beißt er Kindern die Köpfe ab und zerreißt ihre kleinen Körper.
Das Mädchen ist angewiesen, aus einem Fach hinter dieser Monströsität ein Amulett zu holen. Dabei soll sie nichts weiter anrühren und vor allem nicht von der festlich roten Tafel kosten. Aber ach, wie sind die Trauben so süß...
Ein Klassiker!
Während Ofelia ahnungslos ein paar Trauben genießt, geht ein Zucken durch den bleichen Mann. Er setzt sich die Augen in die Handflächen ein und hält die neugewonnenen Sinnesorgane an die Stirn. Und kommt näher. Schritt um Schritt. Und wären nicht die Feen gewesen, die heldenhaft ihr Leben zwischen den Reißzähnen des Mannes aushauchen, um das Mädchen wäre es geschehen gewesen. Nur mit letzte Kraft kann sie entkommen.
Da ihre Mutter inzwischen arg geschwächt und bettlägerig ist, gibt der Faun Ofelia eine Alraunenwurzel, die sie in Milch baden, mit Blut füttern und unter das Bett der Mutter stellen soll, was auch wirkt, bis der Capitan diesen Aberglauben entdeckt und unterbindet. Prompt stirbt die Mutter im Wochenbett, aber das Kind ist wohlauf und tatsächlich ein Sohn, wie gewünscht.
Die Lage in der realen Welt verschlimmert sich zusehens für Ofelia und sie plant, mit der Haushälterin und ihrem Bruder zu fliehen, was jedoch misslingt, so ist ihre einzige Hoffnung das Labyrinth, in dessen Mitte der Faun auf sie wartet. Er fordert von ihr das Blut ihres Bruders, um das Siegel zu öffnen. Nicht seinen Tod, nur etwas Blut. Aber Ofelia verweigert sich und der Capitan kommt näher und näher...

Eigentlich eine klassische Geschichte. Drei Proben gilt es zu bestehen, dann ist alles in Butter. Interessant ist allein die Vorgehensweise. Das geschickte Spiel mit der Fantasywelt des Kindes und der brutalen Realität des Krieges. Die schonungslose Erzählweise. Da gibt es keine Angst vor Körperflüssigkeiten. Widerlich und hart, aber trotz allem nicht Peter-Jackson-eklig. Perfekt dosiert, optisch sehr schön umgesetzt und nach „Das Parfum“ der zweite Film, bei dem ich glaube, manche Szenen riechen zu können. Der modrige Geruch des Fauns, der stechende Geruch der Kröte, der schwere Blutgeruch an der Tafel des bleichen Mannes....

Sehr gute Schauspieler, sehr gut umgesetzt, sehr gut gefilmt, was will man mehr?

Ich war positiv überrascht, nach den absolut grottigen Machwerken Cronos, Mimic, Blade 2 und Hellboy hatte ich im Prinzip schon sämtliche Hoffnung aufgegeben, dass Guillermo der Toro in seinem Leben noch irgendeinen guten Film abliefern kann. Aber siehe da, er kann! Und jetzt habe ich eine abartige Horrorgestalt mehr in meinem Kleiderschrank.

Vielen Dank dafür!