Live free or die hard
Auch wenn der deutsche Titel etwas abschreckend wirkt (da war wohl ein cool-kreativ-trendiges Werbebüro am Werk, der Originaltitel Live Free or die hard ist das Staatsmotto von New Hampshire, wo auch ein Teil des Filmes spielt), ist der Film zum Glück weniger trendy sondern genau so, wie man sich einen Die hard-Film vorstellt.
Als ich im Vorfeld hörte, dass der Plot des Filmes sei, dass Cyberterroristen die Welt bedrohen, rechnete ich mit dem Schlimmsten, wie immer, wenn Computer in Filmen eingesetzt werden. Meistens geht das übelst nach hinten los.

Zum Plot des Filmes: Ein junger geleckter IT-Profi weist die NSA auf gravierende Sicherheitslücken in ihrem System hin, aber alle guten Vorschläge werden abgeschmettert. Aus Frust entwirft er einen bei näheren Überlegung völlig irrsinnigen Plan, der aber (und das ist durchaus realistisch) den Entscheidungsträgern völlig plausibel vorkommt. Falls die USA spontan angegriffen werden sollte, sollten alle finanziellen und Sozial-Daten gesammelt an einem Ort zusammenfließen und dort gesichert werden. Dass nach erfolgreicher Umsetzung der Staatssäckel derart klamm ist, dass zur Bewachung selbigen Ortes nur drei halbdebile Hausmeister eingesetzt werden können. Auf jeden Fall wird besagter Hacker nach erfolgreicher Umsetzung des Planes gefeuert und rennt nun mit all seinem Wissen um die Struktur und die Hintertüren des Systems durch die Gegend. Hmmm...was liegt da näher, als besagten Ernstfall einzuleiten, nicht zuletzt auch, um lächerlich reich zu werden.
Er trommelt eine Horde weiterer Programmiersklaven zusammen, deren Rechner er vermint, um nach beendeter Arbeit alle in die Luft zu sprengen. Vielleicht kam Schäuble ja hier die Idee des Bundestrojaners? Dafür sollen Polizisten in die Wohnung des Subjektes eindringen, die Software auf dem Rechner installieren und spurenlos wieder verschwinden.
Nuuuuun...weil man so was als irrer Hacker ja auch gar nicht merkt. Wer scannt schon regelmäßig seine Festplatte nach Rootkits oder ähnlichem ab? So paranoid kann doch kein Mensch sein, oder? Schon gar keiner, der selber Rootkits programmiert und hochsensible Daten und Welteroberungspläne auf seiner Festplatte ablegt. Aber zugegeben, man ist ja i.d.R. viel zu beschäftigt mit manischem Lachen und dem Ausdenken neuer Foltermethoden. Da vergisst man solche Lappalien ja gerne.

Auf jeden Fall gelingt es dem unsympathischen Antagonisten so, die USA in ein Computerchaos zu stürzen. Die Börse spielt verrückt, die Telefone gehen nicht mehr, alle Satelliten sind kaputt, der Strom fällt aus...you get the picture...und alle Daten der USA wandern zielsicher in ein einziges Computersystem, von wo aus man sie sich innerhalb kürzester Zeit auf den praktischen 500-terrabyte-USB-Stick kopieren kann. Und natürlich kann man sie auch innerhalb von Minuten mit 128 Mbit verschlüsseln und wieder entschlüsseln. ARG!!!
Aber zurück zum Anfang des Filmes. Ministeriumsrechner werden lahmgelegt und das NSA entscheidet sich, alle 1800 Hacker, die auf einer schwarzen Liste stehen, mal eben zu verhören, ob sie das vielleicht waren. Ein schönes Beispiel für die Rasterfahndung. John McClane, immer noch NY-Cop, kriegt den Auftrag, einen dieser Hacker nach Washington zu bringen. Wieso ein NY-Cop das tun soll, ist jetzt mal unerklärte Nebensache. Man ruft einfach alle möglichen Police-Büros an und fragt nach deren besten Männern. Passt schon. Ein bisschen was hat es ja von Rollenspiel. Ok, wir haben eine Ausgangssituation, wie bringen wir jetzt die Charaktere ins Spiel? McClane fährt also zu Hacker Farrell und wird gleich Zeuge, wie eine schießwütige Bande selbigem gepflegt die Studentenbude zerlegt, bevor der Rechner und der Rest in die Luft fliegt. Zeit für eine erste Verfolgungsjagd und ein flüchtiges Kennenlernen der Charaktere (Klassiker: Held trifft Rookie). Man fährt nach Washington, aber dort hat man diverse andere Sorgen derweil und Farrells Wissen gerät erst mal ins Hintertreffen. Natürlich gibt es einiges hin und her und letztendlich kommt es, wie es kommen muss und wir haben auch nichts anderes erwartet. McClane macht sich im Alleingang als one-man-army auf, die bösen Buben zu stoppen. Um die Menschheit zu beschützen. Es wirkt zwar ziemlich anachronistisch, wie er seinen hochtechnologisierten Gegnern beikommt, aber das Überraschungsmoment hat er damit durchaus auf seiner Seite. Und als man auch noch auf die Idee kommt, seine Tochter zu entführen, sind die Todesurteile besiegelt. Und wen wundert es, dass McClane wieder einmal den Tag und die Welt rettet?

An vielen Stellen extrem unlogisch, aber nichtsdestotrotz sehr spaßig. Besonders bedenklich fand ich die unkaputtbare bestöckelschuhte Kung-Fu-Tussi, die trotz zerquetschtem Unterleib, gebrochenem Rückgrat und vielerlei anderer Blessuren immer noch fit wie der Duracell-Hase ist. Sehr sinnfrei ist natürlich auch die Tatsache, dass, wenn einmal auf einer Straße die Ampeln ausfallen, natürlich alle mit Vollgas losbrunzen und ein Megachaos verursachen, dass zivile Hubschrauber im nationalen Notstand ungestraft stundenlang über Washington kreisen und Zivilisten beballern dürfen, eine F-35 sich zu bizarren Verfolgungsjagden und irrsinnigen Flugmanövern hinreißen lässt, statt einfach die deutlich an Bord befindlichen Bomben zu nutzen, Hacker, die problemlos sämtliche Web- und Securitycams der Welt hacken können und natürlich trotz komplizierter graphischer Oberflächen minutenlang bis zur Besinnungslosigkeit auf Tastaturen einhämmern, die völlige Abwesenheit von Notstromaggregaten in den Städten, wieso ursprünglich sämtliche Handys keine Verbindung bekommen, obwohl die Satelliten doch gar nicht in staatlicher Hand sind, wie man es geschafft hat, Schnittstellen für die Unmengen von Daten zu schaffen, die dem ominösen Zentrum zusammenlaufen etc.
HEADDESK!!!

Im Prinzip litt ich den ganzen Film über nur an Logiklückenkrämpfen. Heftigst!! Was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Der Flow stimmt, die knappen Sprüche stimmen, schade nur, dass diesmal kein ebenbürtiger Gegner vorhanden ist.
Sehr schön der Auftritt von Kevin Smith, dessen Namen im Vorspann kurz zu Sith zusammenschmilzt. Prima! Und die ganzen Star Wars Referenzen in seinem Wohnkeller.
Sehr liebevoll ausgestattet.
Was soll man sonst sagen? Es ist halt ein Die Hard Film. Er passt in die Reihe. Und er hat nicht solche Längen wie z.B. der zweite Teil. Es geht viel kaputt, Bruce Willis ist schnell schmutzig, was will man mehr?