Room 1408
Es gibt durchweg unterschiedliche Arten von Horrorfilmen. Die ekligen, in denen Blut und Gedärme nur so spritzen, die, in denen Teenager nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip aus dem Leben scheiden, die, die mit wirklich überraschenden Storywendungen daher kommen und einem richtig Angst machen können und natürlich die guten alten Geisterbahnfahrten. Zu letzterer Kategorie gehört 1408. Man befindet sich auf vertrautem Terrain (wer hat noch nicht im Hotel darüber nachgegrübelt, was wohl alles in eben diesem Zimmer passiert ist?), kann jeden Gruseleffekt bereits Minuten im voraus erahnen und ist dann trotzdem angenehm überrascht, wenn er eintritt.

Mike Enslin, der seine Brötchen mit dem Schreiben von Reiseführern zu übersinnlichen Orten verdient, bekommt eines Tages eine Postkarte vom Dolphin Hotel in New York City mit dem Vermerk "Betreten Sie nicht Zimmer Nr. 1408". Natürlich weckt dies seine Neugier und er checkt, trotz eindringlicher Warnungen des Hotelmanagers ein, nur, um zu entdecken, daß es gar nicht mal so einfach ist, wieder auszuchecken…

Nach erfreulich kurzer Vorstellung der bzw. des Hauptcharakters, da es sich bei diesem Film fast um eine One-Man-Show handelt, sind wir auch schon mittendrin im wohlig gruseligen Geschehen. Schnell hätte dieses Konzept nach hinten losgehen können, wenn man die zwei Hauptrollen nicht so gut besetzt hätte. Es tut mir zwar ein wenig leid, John Cusack immer nur in der Rolle des zynischen Einzelgängers zu sehen, aber nichsdestotrotz macht es Spaß, ihn auf diesem Trip zu begleiten. Schön auch zu sehen, dass die Personen in diesem Film endlich mal normal reagieren und sich nicht übertrieben blöd anstellen. Mike versucht einige Strategien, um dem Raum zu entfliehen, aber natürlich ist keine einzige von Erfolg gekrönt. Es lassen sich keine gravierenden Logikfehler finden und auch das Ende des Filmes bleibt offen für Interpretationen. Eine sehr solide Handarbeit des Drehbuchschreibers, aber leider verschenkt der Film einiges an Potential. Zum einen hätte ich mir gewünscht, mehr über die Toten zu erfahren, die das Zimmer bereits eingefordert hat. Sage und schreibe drei Geister laufen durchs Bild und man hat kurze Einsichten auf diverse Leichen, aber die Geschichten der Leute kommen definitiv zu kurz. Was hat die vertrocknete Leiche in den Lüftungsschacht getrieben? Wieso hat der Mann mit der Spitzhacke seine Familie zerlegt? Und wieso hatte er überhaupt eine Spitzhacke im Hotel dabei? Was hat die dicke Frau gesehen, bevor sie aus dem Fenster sprang? Wie genau hat alles angefangen? Es wird zwar der erste Tote erwähnt, aber wieso weshalb warum bleibt außen vor.

Negativ bleibt mir einzig ein böser Schnittfehler im Gedächtnis, der die Handlung vorwegnimmt. Bei der kurzen "Auszeit", die er bekommt und seine Frau in Kalifornien trifft, erzählt er ihr, er hätte seine Tochter im Arm gehalten. Aber tatsächlich geschieht das erst viel später. Zu dem Zeitpunkt hatte er nur ihre Stimme gehört und kleine Ausschnitte aus ihrem Leben gesehen.

Insgesamt betrachtet ein Film, der mir viel Spaß gemacht hat. Man konnte sich gut mit dem Protagonisten identifizieren, das grübeln, wie sich die Geschichte nun vernünftig lösen läßt war interessant, das Warten, was sich der Raum als nächstes einfallen läßt auch. Sicher nichts, was man sich x-mal anschauen muß, aber trotz allem ein Film, den man gesehen haben sollte. Vor allem, weil John Cusack einfach irgendwie schnuffig ist und es nie langweilig wird, ihm zuzuschauen.