Dnevnoy Dozor
Noch größer, noch wuchtiger, noch mehr Spezialeffekte, aber leider (?) ist der zweite Teil der Saga nicht mehr als alleinstehender Film zu betrachten wie der erste Teil. Ich würde ihn eher als eine wichtige Ergänzung betrachten, denn er führt die Ereignisse des ersten Teils konsequent weiter und wenn man Teil 1 verpaßt hat, wird man in Teil 2 nicht hineinkommen. Für Freunde und Vertraute des Nightwatch-Universums ist das natürlich sehr schön, da sich die Charaktere weiterentwickeln, Beziehungen vertieft werden, man quasi am Rande wichtige Hintergrundinformationen mitbekommt, die der ganzen Geschichte noch mehr Tiefe verleihen. Für Neulinge und solche, die den ersten Teil bereits komplett vergessen haben, geht das natürlich katastrophal nach hinten los und viele werden den Film für wirr, langweilig und übertrieben halten. Sieht man aber beide Teile als großes Ganzes, ist dieser Auftritt durchweg gelungen!

Wie üblich kurz zur Story, wir erinnern uns, in Teil 1 wurden uns das Konzept sowie die Hauptcharaktere vorgestellt. Es existieren magisch begabte Wesen in unserer Welt, die Anderen. Man wird als Anderer geboren, von einem anderen Wesen zum Anderen gemacht (so z.B. bei Vampiren) oder erlebt sein Coming out durch dramatische Ereignisse, die das eigene Leben für immer verändern. Um das Zusammenleben von Gut und Böse zu regeln, wurden die Nacht- und Tagwachen geschaffen. Die beiden Filme führen uns in heutige Moskau und erzählen die Geschichte von Anton Ghorodyetski, dessen Schicksal, wie könnte es auch anders sein, mit einer Apokalypse verknüpft ist. Im ersten Teil bat Anton eine Hexe, seinen ungeborenen Sohn abzutreiben, was durch den Eingriff der Wächter der Nacht mißlang. Zwölf Jahre später hat Yegor sich für die dunkle Seite entschieden und ist gelehriger Schüler Zavulons, des Anführers der Nachtwache Moskaus. Anton und Svetlana, eine junge lichte Magierin, die sich im ersten Teil selbst verfluchte und somit einiges Unheil über den Landstrich brachte, sind gerade auf Streife, als sie einen Notruf erhalten. Einer alten Frau wird das Leben ausgesaugt. Die einsetzende Verfolgungsjagd führt das Duo bis in die zweite Schicht des Zwielichts (eine magische Ebene), in dem der Täter mühelos entkommen kann. Er verliert seine Mütze, Anton erkennt, dass es Yegor ist und die Verwicklungen nehmen ihren Anfang. Im folgenden versucht die dunkle Seite, Anton einen Mord anzuhängen, er muß fliehen und versteckt sich eine Weile, in dem er mit Olga, einer weiteren lichten Magierin und Geliebte des Anführers der Nachtwache die Körper tauscht, was natürlich zu einigen Verwicklungen führt. Des weiteren wird er auf eine Kreide aufmerksam, mit der man sein eigens Schicksal beeinflussen, seine eigene Geschichte umschreiben kann. Er versucht, in den Besitz der Kreide zu gelangen, um damit die Liebe seines Sohnes zu gewinnen. Inzwischen verliebt sich in einer Nebenhandlung Alyssa, eine dunkle Hexe und eigentlich Geliebte Zavulons in den jungen Vampir Kostya, Antons Nachbar. Zum großen Showdown kommt es letztendlich an Yegors Geburtstag, bei dem er das Ende der Welt einläutet und Moskau in Schutt und Asche legt. Wird es Anton gelingen, dieses Geschehen zu ändern? Oder wird er in den Fängen der neutralen Inquisition landen? Ist das Schicksal wirklich festgeschrieben? Und warum haben Papageien eigentlich einen so seltsamen Modegeschmack?

Wer die Bücher kennt, wird schnell feststellen, dass die Filme nicht allzuviel damit zu tun haben. Es wurden die Charaktere und grobe Handlungsstränge übernommen, aber dennoch einiges umgeschrieben und –gedeutet. Trotzdem ergänzen sich beide Medien recht gut, die Charaktere wurden adäquat umgesetzt. Die Geschichte ist spannend, wenn auch manch melancholische Szene auf den westlichen Zuschauer befremdlich wirken mag.

Inhaltlich sehr schön finde ich, dass man wieder einmal sieht, dass sich die Welt trotz aller Bemühungen nicht in Gut und Böse trennen läßt. Die Wächter der Nacht haben genug dunkle Momente, wir erfahren z.B., dass Geser damals Olga einfach im Stich gelassen hat oder dass Anton die Wache hintergeht, um seinen Sohn zu schützen. Im Gegenzug dazu steht die rührende Liebesgeschichte zwischen der Hexe Alyssa und Kostya sowie die Bereitschaft von Kostyas Vater, aus Liebe und Sorge um seinen Sohn auch über Leichen zu gehen. Da gibt es einige sehr interessante Entwicklungen zu beobachten, langweilig wird es nicht.

Rein optisch ist der Film bombastisch, Spezialeffekte und Stunts vom Feinsten. Da explodiert schon mal ein Fernsehturm oder ein Riesenrad rollt durch die Strassen der Stadt, parkende Autos werden mit einer langen Peitsche zerlegt und ein Auto fährt senkrecht an einer Häuserwand entlang. Im Vergleich zum ersten Teil wurde hier ordentlich nachgelegt, wirklich ein optischer Leckerbissen.

Nachteilig wirkt sich die Kürzung des Filmes fürs deutsche Publikum um ganze 18 Minuten aus. Ok, einige Szenen sind überflüssig (so z.B. Antons Gesang auf der Feier, was aber andererseits auch die ganze Tragik des Augenblicks rüberbringt), andere hingegen ziemlich wichtig. So fehlt z.B. der ganze Part, in dem Yegor Svetlana auf der Feier die Lebensenergie aussaugt und sie spontan altern läßt, was ja auch erklärt, wieso sie ihm als hohe Magierin im folgenden nichts mehr entgegenzusetzen hat. Parallel dazu wurde entsprechend auch die Verfolgungsjagd gekürzt, so dass dem Zuschauer jetzt einige gute Motorradstunts entgehen und er sich auch fragt, wo denn auf einmal die Biker herkommen. Einige sehr schöne Blenden am Anfang fielen auch der Schere zum Opfer und wurden durch eine überflüssige Zusammenfassung des ersten Teils ersetzt. Ferner fehlen kurze Einblendungen, die eigentlich nicht wichtig sind für den Handlungsverlauf, aber den Charakteren dennoch Tiefe verleihen, wie z.B. der Moment, in dem Yegors Mutter entdeckt, dass sein Bett leer ist oder die Tatsache, dass Kostyas Vater nur eine einzige Hose besitzt. Die Schlägerei mit der Wache im Hotel wurde gekürzt, weswegen man sich schon wundert, wieso Anton auf einmal so blutig im Gesicht ist, ebenso fehlt die Szene mit dem Aufpasser in der U-Bahn, der von einer Horde Vampire zerlegt wird.

Der Schluß des Filmes ist derart zurechgestutzt, dass man schon irgendwie merkt, dass da was fehlt. Schade eigentlich. Okay, der Film ist sehr lang, aber würden tatsächlich weniger Leute ins Kino gehen, wenn er ein bißchen länger wäre? Ich denke nicht. Die Leute, die sich den Film ansehen, werden den ersten Teil eh schon kennen und entsprechend „angefixt“ sein.

Man muß ich drauf einstellen, dass der Film eine Weile braucht, um zu sacken. Und je öfter man ihn guckt, desto mehr Details entdeckt man und desto besser wird er. Ich habe gerade noch mal meine Kritik zum ersten Teil gelesen und wundere mich, wieso sie eigentlich so schlecht geraten ist, denn inzwischen finde ich beide Teile richtig gut. Vor allem, wenn man sie als Einheit betrachtet. Da die Charaktere in Teil 2 derart vertieft werden, bekommt man auch eine völlig andere Sichtweise auf den ersten Teil. Was soll ich sagen? Ich liebe die Filme, ich bin völlig „hooked“ !

Einen dritten Teil wird es wohl nicht geben, die Geschichte an sich ist abgeschlossen. Da der Film so stark von den Büchern abweicht würde es auch wenig Sinn ergeben, die Crew einfach ein neues Abenteuer erleben zu lassen. Zusammen sind die Filme wine wirklich runde Sache, auch wenn ich gerne mehr sehen würde. Fox plant eine amerikanisierte Neuverfilmung des ersten Teils. Mir wird schon ganz schlecht bei dem Gedanken daran. Ich hoffe, sie lassen die Finger davon. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auch nur annähernd das Feeling der Geschichte rüberbringen können.