The net
Argl! Argl! Argl!
Es ist doch jedes Mal das Gleiche. Hollywood vergreift sich an einer Geschichte mit bzw. über Computer und heraus kommt der allerletzte Schwachsinn. Ich nenne so etwas Volksverdummung. Da ist diese junge attraktive Programmiererin, die nur im Cyberspace Freunde hat und die eines schönen Tages eine Diskette zugeschickt bekommt (wieso bekommt sie das Programm eigentlich nicht gemailt? Tststst).
Darauf befindlich ist ein Programm, mit welchem sie sich ins Netz einloggen kann und schwuppdiwupp Kontakt zu sehr vielen Supercomputern hat.
Das finden die Bösen (so'ne Art Computerterroristen) natürlich nicht so prall und sie löschen mal eben fix die Identität der Heldin, die von nun an für sich allein dasteht, da sie irgendwie nicht beweisen kann, daß sie sie selbst ist.

Hallo? Geht's noch? Selbst in Zukunft (und laut Film war es höchstens mal eine nähere Zukunft) wird es so etwas nicht geben, daß ein Menschenleben nur noch im Computer gespeichert ist, daß alle Akten über einen einfach mal so gelöscht werden und daß sich keiner an einen erinnert. Aber naja, mit dieser Grundidee des Filmes könnte ich ja noch leben, gibt es doch eine sehr gute TV-Serie, die sich mit dem gleichen Thema auseinandersetzt ("Nowhere Man" - kann ich nur empfehlen!!!)
Wobei sich mir die Fußnägel hochklappen ist allerdings die Art, in der Computer bzw. Netze in diesem Film dargestellt werden. Wieso tippen die Helden eigentlich stundenlang auf der Tastatatur rum, wenn auf dem Bildschirm nur ein paar graphische Buttons zu sehen sind? Ja ist in Hollywood die Mouse denn noch nicht erfunden worden? Sieht natürlich nur halb so dramatisch und professionell aus, aber beobachten sie die Leute in solchen Filmen mal, wenn sie nur mal schnell was am Rechner abrufen müssen. Man könnte meinen, sie arbeiten auf einen Pulitzer-Preis hin.

Ok, unsere Heldin bekommt also eine Diskette mit einem Programm, augenscheinlich eine normale Webseite. Am rechten unteren Rand der Seite befindet sich ein p - Zeichen, das für die Prätorianer, einer Band von Computerterroristen steht (erzählen sie das mal meinem Ex-Mathematiklehrer!). Klickt man nun auf dieses Zeichen, landet man zufällig irgendwo in einem streng geheimen Rechner. Ähh.....hallooooo?
Stellen sie sich mal vor, sie sind ein Böser und benutzen dieses Programm....hm....wieso sollten sie sich die Mühe machen, zufällig irgendwo hinzukommen? Wachen sie nicht morgens mit dem Gedanken auf "Hm, heute hacke ich das FBI"? Wollen sie wirklich zufällig irgendwo landen? Ich sicher nicht. Verteilt werden sollte das Programm anscheinend nicht, denn sonst wären die Leute ja nicht so sauer, daß die Heldin es in die Finger bekommen hätte.
Wenn sie nun so ein Superprogramm für ihre Terroristenjünger schreiben, das aber geheim bleiben soll, plazieren sie dann auffällige Buttons in den Bildschirmecken? Sicher nicht, oder? Das ganze bleibt mehr als fraglich.

Im weiteren Verlauf des Filmes erfährt der inzwischen nicht mehr so geneigte Zuschauer, daß alle großen und wichtigen Firmen des Landes ein Torwächter-Programm der Firma der bösen Terroristen installiert haben, über das selbige nun Zugriff auf alle Daten haben.
Öhm....wenn ich es wirklich schaffe, so ein Sicherheitsprogramm an alle wichtigen Firmen landesweit zu verscheuern, kann ich mich dann nicht zur Ruhe setzen? Ich dürfte genug Geld für Jahre gescheffelt haben. Was soll der Schrott? Und ich könnte dann auch einfach einen Mitarbeiter zu Kontrollzwecken in die Firma schleusen, der Daten klaut. Sehr sehr fraglich das ganze.....

Um so fraglicher auch die Auflösung des ganzen, unsere Heldin schickt die Daten an das FBI (das ihr natürlich sofort Glauben schenken wird) und verseucht das System des Bösen mit einem Virus, der alles zerstört. Öhm....geht's noch? Glaubt sie wirklich, ein Computergenie macht nie Back-Ups? Hallooooooooo....!
Dazu kommt noch, daß selbiger Virus ausgelöst wird, indem die Protagonistin eine Diskette in den Rechner steckt und im folgenden die Escape-Taste betätigt wird....äh....ja, alles....klar....mein Gehirn schmilzt hier auch gleich, weil ich eine Taste gedrückt habe.

ARGL! ARGL! ARGL!
Ich will hier nicht mehr aufzählen, aber ihr könnt euch den Rest sicher denken.
Dieser Film schlägt alles, aber auch absolut alles an Unsinnigkeiten, die ich je über Computer gesehen habe. Wenn er dabei wenigstens noch irgendwie spannend oder in irgendeiner Form logisch wäre....aber nein, er ist es nicht. Das einzige spannende ist es, die logischen und technischen Fehler des Filmes zu zählen. würde man daraus ein Trinkspiel machen. könnte man sich in wenigen Minuten ins Koma saufen. Hilfe! Bitte, bitte, schaut euch diesen Schwachsinn nicht an. Erst recht nicht, wenn ihr ein kleines bißchen Ahnung von Computern habt. Euch wird sich der Magen umdrehen und das Blut wird euch aus Augen und Ohren laufen und euer Gehirn wird mit Überdruck platzen, jawohl! Und das wollt ihr doch wohl nicht, oder?