Harsh Times
Interessanterweise habe ich diesen Film in der gleichen Woche wie „A history of violence“ geschaut, nichtsahnend, dass sie die gleiche Problematik anschneiden. Die Resozialisierung eines Berufskillers. Während es sich in History um einen Mafiahitman handelt, geht es bei Harsh Times um einen Ex-Soldaten. Während bei ersterem das Töten genetisch bedingt zu sein scheint, wurde es dem zweitem systematisch eingebleut. Um die Umstände des Krieges ertragen zu können, klinkt sich sein Hirn regelmäßig aus und er nimmt seine Umgebung nur noch wahr wie ein Videospiel, ein Farbenrausch, unwirklich.

Zurück in den USA bewirbt sich Jim Luther Davis um einen Job bei der Polizei, von dem er bereits ein festes Bild hat. So fest, dass keine andere Arbeit mehr für ihn in Frage kommt. Um so härter trifft ihn die Ablehnung seiner Bewerbung. Zusammen mit seinem Kumpel Mike, der auch gerade arbeitslos ist, zieht er um die Häuser und konsumiert diverse Drogen. Als er am nächsten Tag jedoch erneut zur Polizei zitiert wird, scheint guter Rat teuer, denn Amphetamine im Urin werden nicht gerade gern gesehen beim Einsteigertest. Plan B ist da die Einführung von Essig in die Harnröhre.
Autsch!
Oder um es mit Jims Worten zu sagen: „Das….war extrem unangenehm.“
Natürlich fliegt der Schwindel auf und der einzige Job, den ihm Uncle Sam daraufhin bieten kann, wäre eine Fortführung seines Lebens als Tötungsmaschine, diesmal in Kolumbien beim Kampf gegen die Drogenbosse. Zähneknirschend nimmt er an, aber nicht, ohne zuvor noch auf einen letzten Trip mit seinem Kumpel nach Mexico zu fahren. Natürlich geht im folgenden alles schief, die Grenzen der Wirklichkeit verschwimmen. Im Prinzip beobachtet man Jim dabei, wie er immer tiefer und tiefer abrutscht, unfähig, noch normal menschlich zu agieren, nachdem er unmenschliches vollbringen mußte und anscheinend auch nur für diese Arbeit tauglich ist. Die Perspektiven sind alles andere als rosig und das Ende des Filmes überrascht auch nicht wirklich. Man ertappt sich bei dem Gedanken, dass es besser so ist, denn Jim hat sich ja doch nur sinnlos gequält. Hat seine Schuldigkeit getan. Erzähltechnisch wäre auch kein anderer Ausweg möglich, die Spirale kann nur so enden, eine Resozialisierung ist unter den herrschenden Gegebenheiten unmöglich. Jim als Polizist auf die Menschheit loszulassen, hätte nur zu weiteren Katastrophen und eventuell einem Amoklauf geführt. Auch wenn er selbst diesen Job als einzige Chance sah.

Was bleibt ist letztendlich eine Art modernen „Vietnam-Veteran“-Film, der nicht gänzlich aus der Luft gegriffen erscheint. Die Darstellung einer möglichen und erschreckenden Psychose. Leider muß man hinzufügen, dass der Film zwar drastisch, aber durchweg langweilig ist. Zwei nicht gerade sympathischen stumpfen Typen dabei zuzuschauen, wie sie sich systematisch ihr Leben zerstören ist nicht gerade unterhaltsam. Was bei Trainspotting durch skurrile Szenen faszinierte, ist hier einfach nur stumpfsinnig. Da helfen auch die guten Darsteller nicht. Obgleich es interessant ist zu beobachten, wie Christian Bale von einer Sekunde auf die andere sein komplettes Wesen ändern kann. Eben noch voll auf Droge und den dicken Macker raushängen lassend, wird er bei einem Anruf von seinem Vorgesetzten sofort wieder Soldat, kompromißloser unterwürfiger Befehlsempfänger. Aber die wenigen guten Szenen reichen nicht, um den Rest des Filmes auszugleichen.

Das Ergebnis ist somit ähnlich wie History of violence, wenn auch mit weniger guten Dialogen. Für eine Allegorie zu flach und zu aufdringlich. Als Anklage gegen ein System, das brave Bürger zu Mördern erzieht, nicht scharf genug. Insgesamt sehr geradlinig und erschreckend farblos. Aber nicht farblos genug, um wieder interessant zu sein.
Eine ziemliche Zeitverschwendung.