Moonlight

Auf Pro7 läuft montags eine "neue" Vampirserie mit vielen "neuen und erfrischenden" Einfällen. So verdient der Protagonist sich seine Miete z.B. als Privatdetektiv.
Wie originell!
*gähn*

Wo bleiben die wirklich spannenden Serien mit den Postboten-Vampiren ("Hallo, ich habe ein Paket für sie, darf ich mal kurz reinkommen?), den Putzfrau-Vampiren ("Hoppla, da habe ich wohl schon wieder einen Fleck gemacht") oder den Konditor-Vampiren? Da würde die Arbeitszeit wenigstens passen.
Aber nein… Forever Knight läßt grüßen…ein P.I. sollte es sein.

Und natürlich hat er mal ein junges Mädel gerettet, die inzwischen erwachsen ist und sich nun wahlweise in ihn verguckt oder als seine Assistentin arbeiten wird. Oder beides. Der Held lebt allein, sieht ganz ansprechend aus, schläft im Kühlschrank und hat keine Probleme, bei Tageslicht durch die Gegend zu spazieren. Er ist unpfählbar, injiziert sich lieber Blut, statt es zu saugen (hey, geht das auch mit Lakritze?) und scheint über keinerlei übernatürliche Fähigkeiten zu verfügen, mal ganz abgesehen von gesteigerter Wahrnehmung, temporärem Zahnwachstum und Reflexboostern.
Er ist nach eigenen Angaben 85 Jahre alt, was uns wenigstens unsägliche Rüschenhemd-Rückblenden erspart. Sein Kumpel arbeitet im Leichenschauhaus und versorgt so die Vampirschaft des Ortes mit Blut sowie mehr oder minder nützlichen Informationen. Ein anderer etwas älterer Kumpel (ca. 400 Jahre) residiert in einer schicken Villa mit Pool und leicht-bekleideten Schneckchen, die sich gerne mal ansaugen lassen. Überhaupt scheinen ziemlich viele Vampire unerkannt in der Stadt zu wohnen. Sollte doch mal einer Mist bauen und echte Menschen umbringen, kann er bei einer Art Telefonseelsorge (sic!) anonym anrufen und die kümmern sich dann darum, seine Spuren zu verwischen.

Und so wie man sich für das Setting schon großzügig an den unerschöpflichen Ideen einschlägiger Groschenroman-Baukästen bedient hat, so strickt man sich auch die einzelnen Episoden zusammen.

Ich habe zwar erst drei Folgen (halb) gesehen, aber das war schon mehr als genug. Es gab die "Oh mein Gott, ich bin verwandelt, bitte sieh mich nicht an"-Szene, die "Oh mein Gott, jetzt ist der Hauptcharakter bestimmt tot"-Szene, die "Ich bin ein Vampir und vertraue keinem Menschen"-Szene, die "Ich bin ein tollwütiger Vampir und sobald ich Blut rieche drehe ich durch"-Szene, die "Huch, ich glaube ich verliebe mich in den Vampir"-Szene etc.

Kurzgefaßt, nichts aber auch absolut nichts neues unter der Sonne. Ein Mash-Up von Kleinmädchen-Vorstellungen, das wohl am ehesten frustrierte Hausfrauen anspricht. Da hätten sie mal besser "Kindred" wiederholt, das verdient den Namen "Vampirgeschichten" wenigstens. Etwas derart Weichgespültes wie "Moonlight" habe ich wirklich lange nicht mehr gesehen.