Om Shanti Om
Bollywood-Filme sind wirklich eine Kunstform für sich.
Wie sonst könnte es ein Film schaffen, mit einer Handlung, die sich in wenigen Worten zusammenfassen läßt und zudem komplett vorhersehbar ist, wenigen klischeehaften, flachen Charakteren und platten Dialogen trotzdem knapp drei Stunden lang perfekt zu unterhalten?
Wirken in anderen Filmen Musik- und Tanzeinlagen eher nervig und deplaziert, ist es hier meist ein wahrer Augenschmaus.

Wir schreiben die 70ger Jahre, Om Prakash Makhija und sein Bruder Pappu leben noch mit ihrer Mutter zusammen und verdienen sich ihre Brötchen als Statisten in Bollywood. Om ist ein echter Fanboy und schwärmt täglich ein Plakat von Shantipriya an. Wie groß ist da die Freude, als die Brüder es schaffen, sich auf einer Filmpremiere ins Publikum zu schmuggeln und der Angebeteten ganz nah zu sein. Es wird ein bißchen geturtelt, doch dann muss Om mitbekommen, dass Shanti heimlich mit dem Produzenten Mukesh verheiratet ist und gar ein Kind von ihm erwartet. Da so etwas natürlich das reinste Kassengift ist, fackelt Mukesh kurzerhand das Set seines letzten Films „Om Shanti Om“ samt Braut ab. Bei einem Rettungsversuch wird Om fast erschlagen, verbrannt und letztendlich vom Auto des aktuellen Superstars Rajesh Kapoor angefahren. (Reines Verbrennen wäre nicht dramatisch genug gewesen) So stirbt er tragisch im Krankenhaus und wird als Kapoors Sohn wiedergeboren. Da ihm nun alle Türen offen stehen, ist er dreißig Jahre später Bollywoods neuer Superstar. Doch nach und nach beginnt er, sich zu erinnern, vor allem, als sie die Ruinen des damals abgebrannten Sets als neuen Drehort wählen und er zudem noch seine alte Mutter wiedertrifft. Er beschließt, Shantis Tod zu rächen und Mukesh dazu zu bringen, den Mord zu gestehen…

Soweit so einfach. Insgesamt betrachtet ein sehr schöner Film, der mir allerdings nicht so zu Herzen gegangen ist, wie andere Filme gleicher Machart. Abgesehen davon war er aber unglaublich unterhaltsam und die Zeit verging wie im Fluge. Gelangweilt habe ich mich keine Minute dabei. Der Film strotzt voller ironischer Seitenhiebe auf Bollywood, leider keine ich mich nicht genug damit aus, um alle zu verstehen, für einen wahren Fan muss das Ganze noch viel spaßiger sein. Aber auch ohne solides Hintergrundwissen ließ sich vieles erahnen und war urkomisch. Dazu kommen noch etliche echt abgefahrene Dialoge und Ideen wie z.B. der Einsatz als "Love-Man" oder die von Om spontan erfundene Geschichte wie er in einem Film gleich viermal sterben kann. (Er spielt eine Doppelrolle, Zwillinge, die dann sterben, wiedergeboren werden und später dann nochmal sterben...sehr dramatisch...) Liest sich jetzt nicht so lustig, das muss er halt selber erzählen :-D
Auf jeden Fall viele kleine lustige völlig übertriebene Dialoge und Szenen (ich sag nur "LAUF!" *gnicker*)

Optisch ein echter Leckerbissen. Farben, Formen, Bewegungen….Regisseur und Darstellern war nichts heilig und sie zogen eher erst gemeinte Produktionen gehörig durch den Kakao. Besonders das Dard-E-Disco-Video, in dem Sharukh Khan seinen Waschbrett-Bauch zeigen durfte, den er sich extra dafür monatelang antrainiert hat, war dermaßen gewollt übertrieben inszeniert, dass ich vor Lachen nur noch am Boden gelegen habe. Wunderschön! Und immer wenn man dachte „Oh je, noch kitschiger geht es nicht“, haben sie bewusst noch eine Lage draufgelegt. Unglaublich! Ich dachte die Wasserfall-Szene wäre schon der Gipfel, aber als dann noch der Bauarbeiter-Look samt Helm kam... *sterb* DISCO!

Das einzige, was sich etwas in die Länge zog, war die Feier nach der Preisverleihung, bei der sich alle derzeitigen Stars in Szene setzen. Okay, dauerte vielleicht etwas länger, alle unterzubringen und entsprechend zu würdigen, und es macht sicher auch noch mehr Vergnügen, wenn man alle zuordnen kann, trotzdem zog sich diese Gesangs- und Tanznummer wie Kaugummi. Aber wenigstens hatten alle Beteiligten sichtlich viel Spaß an der Sache und das Lied war schmissig genug um mitzureissen. *schunkel*

Schauspielerisch ist es genauso überladen wie optisch. Alle Charaktere sind einseitig, stereotyp, flach und es wird um Längen zu dick aufgetragen. Aber in dem Umfeld des Filmes (Popcorn-Kino) stört es überhaupt nicht und es macht Spaß, ihnen beim Spielen zuzusehen. Leider bleibt die Dramatik der Geschichte auf der Strecke, man bekommt keine Beziehung zu den Handelnden, man fühlt und fiebert nicht mit, wie in anderen Filmen. Es bleibt einfach ein bunter extrem oberflächlicher Comic.

Muss auch mal sein :-D