Cirque du Freak - The Vampire

Ich stelle mal wieder fest, dass ich anscheinend ein kindliches Gemüt habe, denn ich habe bei Jugendfilmen wesentlich mehr Spass, als bei traditionellen Blockbustern mit viel Bumm und Trara. So war es erfrischend, bei Mitternachtszirkus nicht auf schwülstige Rüschenhemdvampirromantik zu treffen, sondern eher den Karate-Kid-Stil.

Zwei Freunde, zwei Schicksäle... während der eine von blutdürstigen Vampiren vereinnahmt wird, verschlägt es den anderen zu den vegetarischen Vampiren, die nur mal kurz nippen, aber nicht töten. Eine schlaue Lebensweise, denn wer will schon immer auf der Flucht vor dem Dorfmob mit Heugabeln sein. Im Hintergrund ein übler Fadenzieher, der einen Krieg zwischen den Vampirgruppen anzetteln möchte, dazu als Setting noch eine voll ausgestattete Freakshow (die bärtige Dame, der Schlangenmensch etc.).
Das gibt genug Raum für eine nette flache aber prächtig ausgestattete Geschichte.

Aber machen wir uns nichts vor, handwerklich ist der Film grottig. Extrem schlecht geschnitten, wackelige Kameraführung, grenzwertige Kamerawinkel, stümperhafte Ausleuchtung etc..

Die Geschichte ist flach und vorhersehbar, es überrascht nichts wirklich.
Trotzdem macht der Film unglaublich viel Spass, vor allem deshalb, weil sämtliche hochkarätig besetzten Nebenrollen überzeugen. Auch wenn es teilweise nur recht kleine Rollen sind. Die Schauspieler haben sichtlich Freude an ihrer Arbeit. Die jugendlichen Hauptdarsteller müssen noch üben, klar, aber trotzdem versagen sie nicht völlig. Und die Interaktion mit John C. Reilly hilft sichtlich. Sonst eher in zotigeren Rollen zu Hause, macht er in diesem Film einen überaschend sympathischen und auch glaubhaften Eindruck. Die ganze Geschichte, so unwahrscheinlich und tausendmal gehört sie auch scheint, hat mich dennoch überzeugt, da sämtliche Charaktere authentisch reagieren. Da fällt keiner aus der Rolle. Jeder macht das, was der Situation angemessen ist, die Motivationen der Leute sind stets klar erkennbar, das Handeln folgerichtig. Eine Seltenheit in heutigen Filmen!
Klar, es bleibt alles vorhersehbar, aber egal. Ich freu mich ja schon, wenn der Flow stimmt!

Emotional ist natürlich wenig für mich persönlich drin, man merkt, dass es ein Jugendfilm ist, es geht primär um Freundschaft, Verrat, das Suchen seines Platzes in der Welt. Die üblichen Karate Kid Themen halt. Trotzdem habe ich um die plüschige Spinne gezittert! Und mich darüber gefreut, wie sich die Freaks auf der Leinwand ausleben. Es hat sich mal wieder gelohnt! Endlich!