Interstate 60

Ja, es ist lange her, dass ich einen Film gesehen habe, der mich in irgendeiner Form derart positiv oder negativ berührt hat, dass ich es der Welt mitteilen muss. Vorgestern bin ich endlich wieder mal auf so ein Exemplar gestoßen. Lag für nur 4,99 einsam und verlassen beim Müller Drogeriemarkt rum und lockte mit großen Namen wie Gary Oldman, Christopher Lloyd, Michael J. Fox, Kurt Russel und James Marsden (*zuck* - letzterer steht definitiv nicht auf meiner Liste sehenswerter Schauspieler!).
Hmmm…was kann man für unter 5 Euro schon falsch machen, frage ich mich da und griff zu. Zum Glück! Sonst wäre mir eine unglaublich entzückende verschwurbelte charmante kleine Geschichte im Twilight-Zone-Stil der 50ger Jahre entgangen.

Neil Oliver steht an einem Scheideweg seines Lebens. Soll er auf Druck des Vaters, Familie und Freundin Anwalt werden? Oder lieber freischaffender brotloser Künstler? Und was will er überhaupt mit seinem Leben anfangen? Zum Geburtstag wünscht er sich eine Antwort und der zufällig(?) anwesende Geni/Trickster/Monkeyking/Wünscheerfüller O.W. („One Wish“) Grant erfüllt ihm diesen Wunsch nur zu gerne, indem er ihn auf einen bizarren Roadtrip auf der nicht existenten Interstate 60 schickt, in dessen Verlauf Neil nicht nur den sieben Todsünden begegnet, sondern auch auf allerlei skurrile Personen und Roadside-Attractions trifft. Natürlich gelingt die Selbstfindung und es gibt ein Happy-End, aber der Weg dorthin ist eine ganze Tüte voller Wunder und Erkenntnissen und macht einfach ohne Ende nur happy.

Clevere Dialoge, Mindfucks, eine Aneinanderreihung verschiedenster Kurzgeschichten und Erlebnisse, geniale Schauspieler, die sichtlich Spass an ihren Rollen haben. Wie lange ist es wohl her, dass ich das Bedürfnis hatte, den Charakteren zuzurufen: Nein, geh da nicht lang! Tu das nicht!! Man hat als Zuschauer schnell raus, wohin die Reisen gehen, aber es wird trotzdem nie langweilig oder unoriginell.

Natürlich ging dieser Film komplett am Mainstream vorbei, weswegen er es von diversen Filmfestivals mal abgesehen nur bis auf die DVD geschafft hat. Schade eigentlich. Lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Film gehabt und derart auf meinem Sitz hin- und hergehibbelt. Jetzt frage ich mich nur, was ich mir wünschen würde, wenn ich mal Gary Oldman begegne, wie er verschwörerisch an einer Pfeife nuckelt.
Vielleicht einfach nur mehr gute intelligent gemachte Filme, denen etwas an den Charakteren liegt. Sowas wie „Dogma“ oder „Being John Malcovic“ oder „Vergiss mein nicht“ oder sogar „Step Brothers“. Mehr faselbla und weniger „seriöse Dialoge“! Mehr Fantasie einfach! Auch im „normalen“ Leben, in der „normalen“ Welt.