Solomon Kane

Ich war ja erst ziemlich skeptisch, als ich von diesem Projekt hörte. Immerhin handelt es sich bei der Literatur-Vorlage um einen Stapel von chronoligisch schwer zu ordnenden Kurzgeschichten, wie sollte man da einen vernünftigen Film draus machen? Und würde der sich nicht völlig zu Unrecht in die derzeitige Welle der oberflächlichen Superhelden-Schinken einordnen? Zugegeben, es ist nur ein Groschenromanheld, aber die Geschichten sind dermaßen originell und vielschichtig, vor allem für die damalige Zeit (Ende der 20ger Jahre), dass ein Transfer des Stoffes in das heutige extrem schlechte Blockbuster-Schema für mich undenkbar schien. Ich hänge ziemlich an diesem Charakter und war noch misstrauischer als ich las, dass der Regisseur nur die Figur als Vorlage genommen und eine eigene Geschichte für den Film geschrieben hat. Hmmm... das kann doch nur schiefgehen, oder?

Solomon Kane ist ein gieriger über Leichen gehender Söldner, der sich zu Beginn dieser Geschichte und im siebzehnten Jahrhundert fröhlich plündernd durch Nordafrika kämpft, als er dort auf einen Boten des Teufels trifft, der ihn gleich mal in die Hölle mitnehmen möchte. Das jagt Kane begreiflicherweise einen ziemlichen Schrecken ein, ihm gelingt die Flucht und er versteckt sich fortan vor dem Teufel in einem englischen Kloster. Aber die Mönche finden das auf Dauer nicht so prickelnd und schicken ihn wieder fort. Als er dann so durch England wandert und eigentlich keinen großen Plan hat, wo er hinsoll, trifft er auf eine Gruppe von Puritanern, die mit ihrem Planwagen unterwegs sind nach Plymouth, um sich nach Amerika einzuschiffen. Natürlich wird daraus nix, die Dämonen finden Kane und es wird heftigst drauflosgemetzelt bis zum alles entscheidenden Endkampf.

Ich sehe schon, was ihr jetzt denkt, meine Freunde. Das war wohl nix. Aaaaber.... großer Irrtum! Tadaaaa!! Was soll ich sagen, das ist Solomon Kane. Wie er leibt und lebt. Sie hätten es echt nicht besser machen können. Sie haben genau den Geist der Vorlage getroffen, zumindestens so, wie ich ihn empfinde. Ich habe es mir genau so vorgestellt! Und das, obwohl ich echt schwer zufriedenzustellen bin, wenn es um gute Romanverfilmungen geht.

Schon höre ich die ersten Leute jammern, dass der Look des Films ja wohl voll von "Van Helsing" abgekupfert ist (den ich übrigens extrem grenzwertig fand). Dazu kann ich nur sagen: Eher andersrum. Die Sachen sehen schon so aus, wie sie beschrieben worden sind. Aber das war 1928 und der "Van Helsing"-Comic war ja doch ein paar Jährchen später dran.

Andere werden meckern, dass das England des siebzehnten Jahrhunderts wohl anders ausgesehen hat. Ja, kann sein, aber vielleicht nicht auf dem Lande. Ok, die Zauberei war wohl weit weniger verbreitet und glühende Höllendämonen und Zombies werden auch nicht gerade durch die Gegend gelaufen sein. Das was man sieht ist halt mittelalterlich dreckig und es regnet nonstop.

Abgesehen vom Feeling ein weiteres großes Plus des Films: Die Schwertkämpfe!
Kämpfe mit zwei Schwertern, Krummsäbel, Beidhänder, Dolche, Degen...im Regen, gegen brennende Gegner, gegen viele Gegner! Whoa...das sieht extrem gut aus! Das sieht extrem echt aus!
Es wird viel geschnetzelt, aber es sieht vernünftig aus. Keine übertriebenen Aktionen. Schnell und blutig. Vielleicht sollte ich mir das Ganze heute Abend noch mal ansehen und den Bodycount auszählen, das sollte gewaltig sein.

Die Schauspieler: Da gibt es eigentlich nur eine wichtige Rolle, alles andere bleibt schmückendes Beiwerk. Ich hätte nie gedacht, dass James Purefoy ein guter Schauspieler mit grundsolider Shakespeare-Ausbildung ist. Das tut dem Film auch gut. Allein seine Stimmmodulation hilft sehr, das Ganze nicht ins Lächerliche abgleiten zu lassen. Er bleibt in jeder Szene glaubhaft und man kann definitiv mit ihm mitfühlen. Er muss ja auch so einiges körperlich durchleiden, die arme Sau!

Ein sehr schöner Mittelalter-Fantasy-Film mit vielschichtigen Hintergründen, interessanten Philosophien, einer Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann bzw. deren Motive man gut nachvollziehen kann in einem für die Geschichte realistischen Setting mit realistisch handelnden Personen, ohne überflüssige Dialoge, ohne Klamauk und ohne Liebesgeschichten, dafür mit viel Blood & Gore, Gewalt und Schwertkämpfen. Bitte mehr von dieser Sorte!