Da habe ich doch neulichs behauptet, es gäbe keine guten deutschen Filme oder Serien. Frechigkeit! Hatte ich doch vergessen Held von Kosmos, Ijon Tichy.

Herr Tichy ist mit seiner von außen an eine Kaffemaschine, von innen an eine Berliner Altbauwohnung erinnernden Rakete unterwegs zum Planeten Eggman, um Eier für leckre Omeletts zu besorgen. Aber irgendwas kommt ja immer dazwischen und so müssen er und seine bezaubernde Assistentin analoge Halluzinelle diverse skurille Abenteuer bestehen, die sich in ihrer gehirnverschwurbelnden und dennoch stets logischen Bekömmlichkeit erfrischend vom üblichen Geschichtseinheitsbrei anderer Serien abheben.

Basierend auf den Sterntagebüchern des Stanislaw Lem treffen wir hier auf typisch osteuropäischen Science-Fiction der frühen 60ger Jahre, als Kosmonauten noch mit Spucke und Büroklammern flogen. Sämtliche klassisch futuristische Themen wie schwarze Löcher, Zeitparadoxa, Zwillingsphänomene, Außerirdische, Urknall, Roboter, Teleporter, Mutationen, das Unterbewußtsein etc. werden behandelt und logisch korrekt und oftmals auch überraschend gelöst, eine echte Seltenheit im heutigen TV!

Der Crew der Serie ist es gelungen, die Absurditäten der literarischen Vorlage zwar nicht wortgetreu, aber dennoch vom Feeling her authentisch umzusetzen. Und wenn man in den ersten Minuten des Zuschauens sich noch fragen mag, ob der Akzent der Hauptfigur witzig sein soll oder was da überhaupt abgeht, kommt man schnell rein und kann sich letztendlich das Ganze auch gar nicht mehr anders vorstellen. Brilliant und mit sehr liebevollem Blick für Details umgesetzt, herzerfrischend gespielt und vor allem endlich mal was anderes. Endlich hat mal jemand den Mut gehabt, wirklich bizarre Ideen zu zeigen und stellenweise auch einfach mal Blödsinn zu machen. Genialen Blödsinn!

Hut ab! Die Serie hat mich völlig begeistert und mir sehr viel Spass gemacht. Zur Zeit könnt ihr sie noch völlig legal in der ZDF-Mediathek anschauen (nach Ijon Tichy suchen), also los, schnell noch mal seppulken und dann viel Spaß!