The Fades

Da die meisten der Punkte, über die die Verstorbenen in Himmel/Hölle gelangen können, irgendwie kaputt und/oder bebaut sind, bleiben die Toten in dieser Welt gefangen. In einer Welt, in der sie nichts anfassen können, mit keinem reden können, zu ewigen Beobachtern degradiert sind. Das ist nicht schön.

Sie schaffen es, Kontakt zu einer kleinen Gruppe von Lebenden aufzunehmen und diese um Hilfe zu bitten. Aber die sich selbst als Angelics bezeichnenden Seher, Heiler und Söldner wollen sich lieber nicht in den Lauf der Dinge einmischen und bekämpfen stattdessen die Toten, die es nach langen Jahren des Leidens herausgefunden haben, dass sie wieder körperlich werden können, in dem sie Menschenfleisch essen. Das ist auch nicht schön.

In dieses Ungleichgewicht werden nun Paul und Mac hineingezogen, nerdige englische Teenager, die in einer Tour mit Filmzitaten um sich werfen und und eigentlich eher vom ersten Date träumen würden anstatt wie in Pauls Fall von der vermeintlich nahen Apokalypse.
Paul entwickelt seltsame Fähigkeiten (Heilen, Blitze schiessen, spontanes Wachsen von Flügeln. Hellsehen etc.) und trifft auf Neil, einen halsstarrigen Angelic, der versucht, ihn auf seine Seite zu ziehen. Selbiges versucht auch John, einer der ersten Toten, dem die Himmelfahrt verwehrt wurde, der seitdem viele Angelics getötet hat und inzwischen dadurch wieder einen Körper generiert hat.

Und auch Sarah, die zu den Angelics gehörte, von John aber getötet wurde, findet sich nicht nur in der Zwischenwelt sondern auch zwischen den Fronten wieder.

Ich will nicht zu viel verraten, aber die Engländer haben das Geschichtenerzählen wirklich drauf. Ein ganzer Stapel liebenswerter Charaktere, allesamt in sich schlüssig und mit verständlicher Motivation. Interessante Ideen, logische Abläufe, guter Flow, überraschende Wendungen, so mag ich es!

Nicht nur, dass ich diverse Wow-Momente hatte, weil Sachen passierten, die ich vorher nicht erahnt hatte, nein, zusätzlich sind mir stellenweise die "Bösen" richtig ans Herz gewachsen, weil ihre Geschichten so tragisch sind. Das ist das Gemeine dabei, genauso wie Paul ist man hin- und hergerissen und möchte eigentlich beiden Seiten helfen. Bloss wie?

Nur sechs Folgen braucht es, die Geschichte zu erzählen. Es gibt einige Füller-Momente, die man hätte straffen können. Hätte... muss man aber nicht.

Jede Folge hat eine Art Theme, angekündigt durch ein zusammenfassendes Intro von Pauls Freund Mac. Eine schöne Idee.

Gute Dialoge, gute Schauspieler, vor allem endlich mal wieder etwas völlig anderes.

Was mir auch gut gefallen hat war, dass, obwohl es sich ja um eine klassische Himmel/Hölle/Engel-Problematik handelt, Gott mit keinem Wort erwähnt wird. Darüber denken die Protagonisten nicht nach. Sie versuchen nicht, das Geschehen philosophisch zu hinterfragen. Warum auch? Sie haben ja auch so schon genug Probleme.
Auch das macht Sinn.

Die Serie hat mich völlig weggeblasen. Vor allem das Ende. Ich will's ja nicht vorweg nehmen, aber bis so ca. eine Minute vor Schluss dachte ich, okay, die Geschichte ist erzählt, es gibt keine zweite Season, es gibt zwar noch lose Enden, aber ich bin zufrieden, auch wenn es so bleibt. Die Sache ist rund, passt schon... dachte ich ... jetzt denke ich anders... jetzt denke ich, dass das nur der Anfang war und dass noch Großes dahinter stecken kann.
Wenn Paul nicht den Sanity Roll endgültig vergeigt hat...