Man of Steel

Dieser Film zeigt endlich einmal einen Superman, der den Namen "Man of Steel" zu Recht trägt. Ich kann Superman-Fans und Fans der ersten Filme verstehen, wenn diese Version nicht so gut bei ihnen ankommt. Erfrischenderweise wird hier einmal in eine andere Richtung gedacht. Leider allerdings in eine Richtung, die mit den zur Zeit typischen Superhelden-Reboots schon mehr als überfüllt ist, so dass man hier einen "normalen" Draufhauerfilm mit austauschbarem Helden hat, der sich erstmal selbst finden muss, bevor er die Bösen angeht. Das kindlich naive, das Superman bisher ausmachte, fehlt völlig. Wir sehen keinen vertölpelten Clark Kent, keine Lois Lane, die nie rafft, wer Superman ist. Das Ganze wurde modernisiert und den heutigen Seh- und Erzählgewohnheiten angepasst. Was aber erfreulicherweise auch recht gut funktioniert, zumindest mir hat es gefallen.

Die Geschichte beginnt mit dem Kampf um Krypton. Kal-El wird geboren, General Zod startet einen Militärputsch, Supermans Vater klaut einen alten Schädel, in dem alle Erbinformationen aller Kryptonier vereint sind (What the fuck???) und speichert all diese Informationen in seinem neugeborenen Kind ab, Zod bringt den Superdad um, Superbaby wird ins All geschossen, das kennt man ja.

Aber: Eyecandy!

Nett anzusehende Raumschlachten, wummernd epische Musik, eine interessante Architektur, fetzige Rüstungen, hier hat man sich was einfallen lassen. Hübsch anzusehen und phantasievoll. Die heutzutage obligatorischen Flugszenen (man musste wohl was für 3D tun.. seufz), fehlen natürlich auch nicht, wirken aber eher störend. Eine schöne Idee sind dafür die libellenartigen Raumgleiter mit den vier Flügeln. So einen hätte ich auch gerne. Schwupps vergehen schon mal staunende zwanzig Minuten.

Das einzige, was hier störte, war mal wieder Verzicht auf Steadycam und der Hang zu Großaufnahmen. Auch ein Fluch unserer Zeit. Poren und Bartstoppeln anyone?

Im Folgenden springt der Film leicht durch die Zeit und erzählt uns das Aufwachsen Clark Kents. Das tut er mit beeindruckenden Bildern, ich konnte beinahe versengtes Brusthaar bei den Szenen auf der brennenden Ölplattform riechen. 300!-Gedächniseinstellung!

Schön fand ich die Idee, auf Clarks Probleme mit seinen plötzlich überscharfen Sinnen einzugehen. Muss schon fies sein, wenn der Röntgenblick einsetzt und man nur noch Skelette um sich sieht..grusel...

Es folgen die üblichen "Junge, die Welt ist noch nicht bereit für dich"-Talks mit Daddy Costner, der kurz darauf traumatisierend und völlig sinnfrei vom Tornado weggewirbelt wird. Wie kann man nur so blöd sein?? Das hätte es nicht gebraucht! Vollhonk! Sowohl Clark als auch sein Vater!

Egal, kurz darauf findet man im ewigen Eis Kanadas ein altes Kryptonier-Schiff. Clark geht sich das mal angucken, trifft dabei auf Lois, die angeschossen wird und der er mal kurz die Wunde per Hitzeblick ausbrennen muss. Wenn das kein bleibender erster Eindruck für die ewige Liebe ist, dann weiß ich auch nicht weiter....

Er klaut das Schiff und fliegt damit zum Nordpol, das Hologramm seines Vaters wird aktiviert und klärt ihn mal im Schnellkurs über Gott und die Welt auf. Was optisch auch sehr schön und originell umgesetzt wurde durch ein quecksilberähnliches sich ständig neu formendes Wandbild im Hintergrund. Superman kriegt eine coole Batman/Spiderman/younamethesuperhero-Jumpsuit, einen flatternden Umhang und entdeckt, dass er fliegen kann. Was übrigens auch sehr schön gemacht ist, weil man sehen kann, wie er sich richtig darüber freut! Wer würde das nicht?

Das alles lockt General Zod aus dem Orbit und er schaltet sich per Fernsehen ein und fordert die Herausgabe Supermans. (Hier ein grober Schnitzer, Zod und seine Männer wurden als Strafe für den Putsch vereist, sind aber wieder aufgetaut, als Krypton vernichtet wurde und seitdem auf der Suche nach Superman. Mysteriöserweise sind 33 Jahre vergangen (man beachte, ein mystisches Alter!), aber von Zod und seinen Leuten ist keiner gealtert. Hmmmmm........)

Weil Lois blöderweise einen Artikel online gestellt hatte, in dem sie über Superman berichtete, wird sie vom Geheimdienst geschnappt und schon ergibt sich Superman und lässt sich den Restkryptoniern ausliefern. Natürlich nicht, ohne vorher noch ein bißchen über seine Allmacht zu philosophieren. Ab gehts auf 's gegnerische Raumschiff, praktischerweise mit Lois, weil General Zod seine sadistische Ader entdeckt hat. Superman hat Probleme mit der Atmosphäre dort und durchlebt eine Hindu-Dream-Sequence in der ihm Zod als guter Böser seine Pläne verrät. Lois hat einen Geistesblitz und steckt den kryptonischen Schlüssel, den Superman ihr vorher gegeben hatte, einfach mal so in einen leuchtenden Apparat in ihrer Zelle.

(ARG!! Warum?? Warum ist der da??? Wie nachlässig von den Wachen! Warum kommt sie auf die Idee, das Ding da reinzustecken? Macht sie zuviele Rollenspiele? Benutze Stein mit leuchtendem blauen Ding in meiner Zelle? Benutze Lama-Wachslippen mit lustigem Konfetti???)

Auf jeden Fall lädt sich das Hologram von Superdaddy dadurch in den Bordcomputer und verhilft den beiden wieder zur Flucht. (Wie realistisch!!!!)

Sie landen natürlich in Smallville (warum auch nicht, so groß ist die Erde ja nicht, wenn man aus dem All fällt....) und General Zod und seine Kumpels kommen zum sonntäglichen Frühshoppen, äh, nein, zur wilen Klopperei vorbei. Gefühlt viel zu lang wird sich gehauen, hier hat nur noch die Bud-Spencer/Terence-Hell-Soundkulisse gefehlt.

Anschliessend gehen die Kryptonier wieder, aber das Militär hat jetzt wenigstens begriffen, dass Superman kein Böser ist. General Zod ist aber noch nicht am Ende, er baut einen Terratransformer auf und versucht damit, den Planeten plattzupumpen. Natürlich fängt er damit in Metropolis an. Macht ja voll Sinn.

Die Amerikaner schnallen natürlich gleich, was abgeht (man hat ja total viel Erfahrung mit Terraforming und ausserirdischen Antriebssystemen etc.) und kommen auf die Idee, die Kapsel, in der Superman auf der Erde ankam, einfach mal auf das Terraforming-Raumschiff draufzusschmeissen, weil das ja ein schwarzes Loch erzeugt und dan alle Probleme weg wären. (AAARGGG! Ja, im wahrsten Sinne des Wortes! /me geht mal kurz in den Kühlschrank schreien!) Man haut sich eine Weile Metropolis um die Ohren und schwarzlocht dann tatsächlich das Schiff weg. Worauf das schwarze Loch auch verschwindet. (!!! ARG !!! Fußnägelklapp!!!)

Jetzt könnte die Welt wieder schön sein, abgesehen davon, dass Metropolis eine Wüste ist, aber nein, der Zod lebt ja noch und es wird sich noch ne Weile weitergeprügelt. Und er bekommt sogar noch die Gelegenheit, sich zu rechtfertigen! Denn immerhin wurden auf Krypton die Kinder mehr oder weniger gezüchtet und auf ihre Berufe geprägt. Da konnte der arme Zod ja gar nicht anders, als böser General werden. Und außerdem wollte er ja nur Kraypton wiederauferstehen lassen mit den Erbinformationen aus Supermans Leiche! Honni soit qui mal y pense! Quasi um die Kryptonheit zu beschützen! Superman ist beeindruckt. Das leuchtet ein.

Hätte auch geklappt, wenn nicht Zod noch mal eben kurz eine passend ins Bild laufende Familie mit Kindern per Hitzestrahl wegdampfen wollte. Die haben halt gestört. Muss man doch verstehen. Natürlich gibt das (und nicht das zerbombte Metropolis und die x tausend toten Menschen!) Superman den finalen Kick, um General Zod totzumachen.

Wuppdi.

Die wenigen Überlebenden freuen sich.

Wir sehen noch eine überflüssige Schlussszene a la "Wenn das doch dein Vater noch erlebt hätte" und eine überfällige Clark fängt als Reporter beim Daily Planet an-Szene.

Und tada... das war's....

Rückblickend betrachtet aber gar nicht mal schlecht. Wenig hirnlose Dialoge, man kommt i.d.R. sofort zur Sache. Einige schöne neue optische Ideen. Einige wenige Feelgood-Momente. Aber rein vom Charakter her hat mir dieser Superman um einiges besser gefallen als alle vor ihm. Ja, da konnte man mitfühlen. Erst von seinen Klassenkameraden gedisst und beinah verhauen, dann den Rest des Films Prügel bezogen. Da hat man's nicht leicht...

Die Klopperei war vielleicht etwas zu lang... aber man hat sich dafür auch visuell echt Mühe gegeben und so richtig alles in Schutt und Asche gehauen. Alles explodieren lassen, was nur geht. Man wundert sich, wie viele Tanklaster in einer Kleinstadt rumstehen können.

Doch, ich wurde angenehm unterhalten und alles sah sehr gut aus. Muss ich jetzt kein zweites Mal sehen, aber ich hatte wesentlich mehr Spass als bei allen anderen Superman-Verfilmungen.

Lohnt sich doch.