Warm Bodies

Als ich den Trailer sah, war ich erstmal voller Vorurteile.

a) Ein Liebesfilm mit Zombies, da s kann nur wie Twilight werden, wenn nicht noch schlechter

b) Wie kann sich ein nett anzuschauendes Mädel nur in einen Zombie verlieben? Wie wollen sie das vernünftig begründen?

c) Der Film wird voller flacher Zombiewitze sein, seit "Shaun of the dead" sind wir doch durch mit dem Thema.

d) Die Geschichte wird gerade mal für fünf Minuten reichen. Womit wollen sie den Rest des Filmes füllen? Schmalzige Twilight- Romantik? (siehe a)) Angraben a la "American Pie? (siehe b)) Schlechte Zombiewitze? (siehe c))

Und weil ich alle diese Vorurteile bestätigt sehen wollte und außerdem wirklich neugierig drauf war, wie sie die Geschichte wohl verpacken werden, habe ich mir den Film angesehen.

Zum Glück, denn was mich erwartete war eine erfrischend komische Teenage-Romance-Comedy, angelehnt an Romeo und Julia, basierend auf einer in sich schlüssigen Erzählstruktur, bei der auch Kleinigkeiten nicht außer acht gelassen wurden. Wie z.B. der Hinweis im Nebensatz, dass unser Zombieheld ja gar nicht vermodert riecht. Was eine Liebe wohl erschwert hätte.

Doch der Reihe nach:

Wir lernen zunächste unseren Protagonisten R kennen. Seines Zeichens jugendlicher Zombie. R wandert ziellos mit anderen Zombies am Flughafen hin und her. Er denkt langsam, kann nur grunzen und sich kaum an etwas erinnern. In einer schön schwarzhumorigen Voice-over-Exposition lernen wir seinen Alltag kennen. Er ist einsam. Bei einem Streifzug in die Stadt lernt er Juliekennen und lieben, nicht zuletzt dadurch, dass er das Gehirn ihres Boyfriends wegmümmelt. Durch das Essen von Gehirnen werden, das kennen wir aus schamanistischen Traditionen, Erinnerungen und Gefühle des  Toten transferiert. R nimmt Julie mit zum Flughafen und verbarrikadiert sich mit ihr in einem ausrangierten Flugzeug, das er dort bewohnt. Sie lernen sich kennen, er zeigt ihr seine Plattensammlung. Teenagerliebe halt. Mit vielen wirklich komischen Situationen.

Nach ein paar Tagen gelingt Julie die Flucht zurück in die ummauerte Zuflucht der noch lebenden.

R folgt ihr und berichtet dabei, dass die Bonies, Zombies, die nicht mehr menschenähnlich sind, sondern nur angemoderte Skelette, die Zuflucht angreifen wollen. Zusammen mit ihrer es extrem locker sehenden Freundin schminken sie R menschlich und wollen Julies Vater, der die Festung regiert, die Geschichte beichten. Letzendlich kommt es zum Endkampf zwischen den Zombies, die ihre menschliche Seite entdecken, sich wieder entzombifizieren und mit den Menschen verbünden und den fiesen Bonies. Happy end natürlich inklusive.

Ja, ich weiß, das klingt extrem blöd. Ist es aber nicht! Es ist niedlich erzählt mit all dieser Unbeholfenheit, die Teenagerlieben nun mal so mit sich bringen. Musik der 80ger Jahre wird an passenden Stellen eingesetzt, der Film hat einen extrem guten Flow, stockt niemals, die Dialoge extrem witzig, es mangelt nicht an Situationskomik. Schnell wachsen einem die netten Zombies ans Herz. Vor allem wenn sie so sexy sind. (Hallo M!)

Dass der Hauptdarsteller Nicholas Hoult trotz seiner Jugend was drauf hat, wissen wir ja schon seit den  beiden ersten Seasons von Skins, innerhalb deren sich der Charakter um 180 Grad drehen musste. Hier muss er nicht viel tun, außer nonstop mit weit aufgerissenen Augen und hängenden Mundwinkeln durch die Gegend tapern. Wie ein Rehkitz im Scheinwerferlicht. Sehr hübsch!

Wer es schafft den R und M nicht zu mögen, der ist echt gefühlskalt wie ein Fisch.

Mir ist jedenfalls während des Filmes wie der Titel schon andeutet ganz warm ums Herz geworden. Ich habe viel gelacht und mich durchweg wohl gefühlt mit den Charakteren, der Präsentation, der Geschichte. Ganz grosses Kino!