Jersey Devil

Allgemein ist bekannt, dass das Schauen von Horrorfilmen aggressiv macht und die Gewaltbereitschaft steigert. Bei diesem Film kann ich dem nur bedingungslos zustimmen. Nach nur wenigen Minuten hat man das dringende Bedürfnis, sämtliche Charaktere des Films an die Wand zu stellen und wegen Blödheit zu erschießen. Die schiere Inkompetenz der Leute ist kaum zu ertragen, so geballt habe ich das selten erlebt.

Es fängt harmlos an, Familie XY plant einen Campingurlaub. Doch oh Schreck, der Hund ist weg. Seit zehn Tagen wird er bereits vermisst, bevor man auf die Idee kommt, dass man mal suchen könne.

Aber nun habe man ja keine Zeit mehr dafür, weil das Auto schon bepackt sei. Jetzt könnte man das schreiende neunjährige Kind damit beruhigen, dass der Nachbar ja nach dem Hund suchen könne und ihn füttern könne, wenn er wiederkommt, wie es die Mutter auch intelligenterweise dem Vater rät. Könnte man... diese Info kommt nur beim Kind leider nie an, es wird mehr oder weniger brutal zum Campen verschleppt. Auch die jugendliche Tochter wurde anscheinend zuvor nicht in die Tripplanung eingeweiht, sie hatte an dem Tag eine Freundin zu Besuch, die kommentar vor die Tür gesetzt wurde.

Im Auto dreht dann erstmal der Vater, der zuvor als Typ Ach-so-knuddelig-netter-Familienmensch eingeführt wurde, durch, weil seine Tochter Walkman hört. Er will keine elektronischen Geräte auf diesem Trip. Kein Handy, keine Musik, nichts. Er will nur campen.

Auf dem Weg in die Wälder New Jerseys fahren sie einen Hirsch an und panicken ziemlich rum, weil im Wald was knackt. Hmm... ich habe auch schon mal einen Hirsch angefahren. Ein Knacken im Wald waren in dem Moment meine geringstens Sorgen, glaubt mir!

Aber wie wir später erfahren, ist der Vater megaparanoid, weil er als Kind in eben jedem Wald mal Monster gesehen hat. Und natürlich fährt er genau da mit seiner Familie zum Campen hin. *kopfschüttel* !!!

Sie stellen also ihr Zelt im Camp neben anderen Zelten auf, ca. fünf weitere Familien sind noch da. Der Ranger erwähnt, dass gerade vor ein paar Tagen eine Familie verschwunden ist und wahrscheinlich Bären im Wald sind. Am Lagerfeuer erzählt man sich Gruselgeschichten, nachts verschwinden weitere Camper und Vattern hat einen Streit mit seiner Frau, in dessen Verlauf er deren Handy in den Wald schmeisst. Was ihm dann leid tut. Als er anbietet, es zu suchen, meint die Frau nur "Ach nein, lass es doch einfach liegen, passt schon..."

Ähhh... hallo??? Das Handy liegt vielleicht gerade mal da drüben im Gebüsch? Und so superreich ist die Familie jetzt auch nicht? Man müsste sich nur mal eben bücken??

Extrem realistische Situation, oder?

Nun rückt Vattern auch mit der Sprache raus, dass er von seinem Hund gebissen wurde und eine extrem fiese GROSSE verbundene Wunde am Arm hat und deswegen den Hund hat einschläfern lassen. Ich erinnere: Der Mann ist verheiratet, hat zwei Kinder.. und keiner von denen merkt 10 Tage (!!) lang nicht, dass er eine fette verbundene Wunde am Arm hat ???

Hallo ?? Schläft der mit Rollkragenpullis???

Und nun, 10 Tage später (!!!) bricht bei ihm die Tollwut aus und er kriegt Fieber und halluziniert ein bißchen rum und die Familie beschliesst, das Camp zu verlassen und noch tiefer in den Wald reinzugehen, damit Vattern nicht von den anderen Campern gestört wird...

Ähhh.... ja ... das macht unmittelbar Sinn, oder?

Vor allem, nachdem der Ranger, dem sie den Plan mitteilen, nochmal drauf hingewiesen hat, dass da schon wieder gerade Leute verschwunden sind! Und Bären unterwegs seien!

Egal, passt schon... im Wald finden sie auf einer Lichtung ein verlassenes Zelt, dessen Plane aufgerissen wurde (habe ich BÄREN erwähnt??) und eine verhungerte Schäferhundeleiche.

Hm... ein idyllisches Plätzchen, die Familie beschließt, GENAU NEBENAN ihr Zelt aufzuschlagen. Papa trägt wenigstens vorher noch den toten Hund weg. Der neunjährige Sohn ist inzwischen schon ziemlich traumatisiert. Es fängt an zu regnen und sie sitzen im Zelt rum und finden noch so ein Buch mit Teufelszeichnungen im Nachbarzelt und stellen fest, dass sie ja hier im Wald keinen Handyempfang haben. Am nächsten Tag finden sie einen der anderen Camper tot im Busch mit Papas Taschenmesser im Ohr.... hmm... der ist sicher blöd hingefallen.. so in der Nacht.

Habe ich erwähnt, dass sowohl Mutter als auch Tochter das Messer erkennen???

Egal, Papa hat 40 Fieber und liegt im Bett und außerdem regnet es, da kann man ja nicht zurück ins Camp laufen (ca. 4 km entfernt) und die Polizei rufen oder einen Krankenwagen.. oder gerade mal so weit gehen, bis man wieder Handyenpfang hat und die Polizei rufen oder einen Krankenwagen oder den Ranger.... nein...

Im Camp macht man sich inzwischen total Sorgen um die Familie und schickt Suchtrupps los. Ich erinnere daran, die haben gesagt, dass sie ein bißchen weiter im Wald campen und es ist gerade mal eine Nacht vergangen. Um die verschwundenen Camper, die nicht Bescheid gesagt haben und die aus dem Hauptcamp verschwunden sind und deren Freunde sie extrem vermissen, wird sich nicht gekümmert!

Im Wald dreht Papa derweil durch und behauptet, da sei ein Monster im Wald und das sei der Sohn des Teufels und blala... trippeltrappel...PANIK...Verfolgungsjagd...man sticht sich gegenseitig ab....der Suchtrupp samt Ranger kommt endlich an nur um zu sehen, dass gerade ein echtes Monster fast alle tot macht.

Hier muss ich lobenswert die einzig vernünftige und realistische eines Akteurs in diesem Machwerk hervorheben:

Als der Ranger das Monster die Leute verwursten sieht, dreht er sich ganz langsam um und schleicht sich leise vom Tatort weg in Sicherheit. Bravo!

Weiter zum völlig sinnlosen Nachspann, die Tochter hat das Massaker überlebt und geht fünf Monate später mit dem Ranger in den Wald, um das Monster umzubringen. Abspann....

ARGGG... WARUM??? Warum macht man solche Filme? Hatten die genug Flokatis in ihrer Garage, dass sie dachten, es reicht für ein realistisches Monster? Hat der Drehbuchschreiber eine Camping-Phobie? Wollten sie nur mal was machen, weil es im Regen so langweilig war?

Der Film macht von vorne bis hinten keinen Sinn. Ok, ich kapiere, dass es eine "Haha, wir lassen den Papa so aussehen, als sei er der irre Mörder, aber er ist es gar nicht"-Geschichte werden sollte.

Aber kann mir dann mal einer erklären, wie z.B. das deutlich grobmotorische Monster dem Papa das Taschenmesser stibitzen und es punktgenau im Gehörgang des Camper platzieren konnte? Und selbst wenn, wieso sollte es das tun???

Und wenn ich Megapanik habe vor diesem Wald, wieso nehme ich meine Kinder da zum Campen mit hin? Wenn ich doch eigentlich ein ganz netter sein soll?

Nein, das war einfach nur schlecht. Die Geschichte, die Schauspieler, das Monster, die Spannung, da gab es nichts aber auch gar nichts, das diesen Film rechtfertigen könnte. Null! Nada! Nothing!

Unglaublich! Sowas Schlechtes habe ich echt seit langem nicht mehr gesehen!