47 Ronin

Erinnert ihr euch noch an den Film "Der erste Ritter" mit Richard Gere und Sean Connery als stereotyp flache Charaktere vor bonbonfarben flauschig-gemütlicher Mittelalterkulisse? Ähnliches erwartet euch in diesem Film. Kitschiges Japan, wie es sich nur Amerikaner vorstellen können, jedes nur erdenkbare Klischee eingearbeitet und bunt aufgepüschelt. Yuk! Okay, jetzt erwartet man von einem solchen Film nicht unbedingt Realismus, zugegeben. Aber selbst wenn man mit diese grauenhaft überzogenen Kulissen akzeptieren kann, so mangelt es dennoch an allem anderen. Interessante Charakter, Dialoge, Musik, eine mitreißende Geschichte, das alles sucht man vergebens.

Auch wenn jedes Kind in Japan die Geschichte der 47 Ronins kennt, mußte man unbedingt ein plakatives hohles Bilderbuch für die Leinwand daraus machen?

Kurz zusammengefaßt geht es um folgendes:

Eines Tages stolpert ein Junge aus dem Wald. Er hat merkwürdige Narben am Kopf und wird deswegen von den Samurai, die ihn finden, zunächst für einen Dämon gehalten. Wieso weshalb warum wird leider nie geklärt werden.
Schaut ein verletztes Kind! Hinfort mit dir, Dämon!
Der lokale Fürst nimmt den Jungen bei sich auf und er freundet sich mit der Tochter des Fürsten an und arbeitet als Spurenleser? Gärtner? Whatever?
Und er bringt auch schon mal fix Monster um, die sich so in der Gegend rumtreiben.

Eines schönen Tages kommt der Shogun zu Besuch und man arrangiert ein Turnier für ihn. Auch der Fürst des Nachbarreiches ist eingeladen, hat aber eine Hexe im Schlepptau, welche den Champion umbringt, was natürlich blöd ist, weswegen der Junge sich mal eben die Rüstung des Champions anzieht und gegen den Kämpfer des anderen Fürsten antritt. Nun, ja.. abgesehen davon, dass er keine Chance hat, kommt das auch nicht so gut an bei den Beteiligten. Der Shogun ist schon mal verärgert.

Des nächtens becirct die Hexe den Fürsten, der daraufhin halluziniert, dass der andere Fürst seine Tochter vergewaltigen würde und ihn deswegen angreift. Das kommt auch nicht so gut an. Er wird zum Tode verurteilt, alle Samurai sind herrenlos, der Junge wird an "das Holländerdorf" verkauft und die Tochter soll ein Jahr trauern und dann den anderen Fürsten heiraten. Der Anführer der Samuari wird für ein Jahr in den Kerker geschmissen.

Im Jahr drauf lassen sie ihn einfach so gehen. Er reitet zu den Holländern (Monkey-Island-Setting!!! Das Largo-Embargo!) und holt den Jungen da raus (wieso weshalb warum ???), damit sie sich zusammen rächen können. Dann bringen sie noch schnell die Band wieder zusammen und reiten aus Protest gegen den Westen eine Weile im Kreis.. ääh... nein... sehr oft und nachhaltig Herr-der-Ringe-mäßig durch neuseeländische Landschaften, bis sie in den Wald kommen, wo der Junge mal herkam. Dort leben Mönche und die haben coole Schwerter. Die sie auch verschenken. Damit reiten sie weiter zur gegnerischen Burg und bringen alle um. Auch die Hexe, die sich in einen Glücksdrachen verwandeln kann.

Das findet der Shogun jetzt auch nicht so toll, erlaubt aber wenigstens allen, ehrenvollen Selbstmord zu begehen.

Ende

Jaaa... es ist so wie berichtet... langweilig... vorhersehbar... Charaktere wie Abziehbildchen... da geht einem nichts aber auch gar nichts ans Herz. Der Film hat mich so ca. auf Monkey Island verloren als klar wurde, dass da nichts mehr kommt. Was extrem ärgerlich ist, denn mit einer solch soliden Sage im Hintergrund hätte man viel machen können. Wenn man nicht das ganze Gehirnschmalz schon für kitschige Japan-Klischees verschwendet hätte. (Entweder es liegt Schnee oder es blühen die Kirschbäume... zur Not auch gleichzeitig!)

Zu den Schauspielern bleibt zu sagen, dass Keanu Reeves hier nur eine Nebenrolle mit wenig Text hatte, ohne die der Film auch funktioniert hätte. Mal ganz abgesehen davon, dass er auch nur noch einen Gesichtsausdruck hat und immer noch aussieht wie frisch zugedröhnt. Hiroyuki Sanada macht seine Sache sehr gut, aber wo nix ist, kann auch nichts kommen. Wahrscheinlich hat er sich auch nonstop gefragt, warum er für einen solchen Schrott unterschrieben hat.

Kurzum, es war überwiegend langweilig... und wenn ein Film schon langweilig ist, dann sollte er wenigstens gut aussehen, um davon abzulenken. Oder historisch akkurat, damit man sich darauf konzentrieren kann. Oder eine gute Musik haben. Irgendwas! Bitte! Aber hier fehlt alles!

Erspart es euch lieber!