The man in the iron mask
Es gibt drei Punkte, an denen Mann einwandfrei erkennt, wann ein Film richtig gut war:
Mit fortlaufender Spielzeit wird der Film kontinuierlich besser und immer wenn man denkte "JA! Das ist jetzt die beste Szene überhaupt!", kommt nur wenige Zeit später eine, die noch besser ist, so daß man nur noch staunen kann.
Auf dem Weg nach Hause (und auch noch Tage danach) summt man die Titelmelodie des Filmes.
Zu Hause angekommen kann man sich tatsächlich noch problemlos an die Namen sämtlicher Charaktere erinnern.

Der Mann in der eisernen Maske ist so ein Film. Zuerst wollte ich ihn mir ja gar nicht anschauen, immerhin war das Thema schon x-mal verfilmt worden und ich glaubte nicht, auf etwas neues zu stossen. Aber ein Blick auf die Darstellerliste (Leonardo di Caprio, Jeremy Irons, John Malchovich, Gabriel Byrne und Gerard Departieu) sagt im Prinzip schon, daß nicht allzuviel schief gehen kann. Und so war es dann auch....

Wir schreiben das Jahr 1662, in Paris wüten Aufstände, das Volk hat genug von den Kriegen Louis XIV und hungert. Von den vier Helden ist einzig D'Artagnan, inzwischen Hauptmann der Musketiere, dem König treu geblieben. Athos kümmert sich um seinen Sohn Raoul, Porthos betreibt ein Bordell und weint vergangenen Zeiten nach, Aramis hat sich dem Glauben zugewandt und fungiert inzwischen als Oberhaupt der Jesuiten. Sein Vorhaben ist es, den König durch dessen Zwillingsbruder zu ersetzen und er weiht seine Freunde in seine Pläne ein, unnötig zu sagen, daß es ihnen letzendlich auch gelingt.....

Diese Version der altbekannten Geschichte konzentriert sich im Gegensatz zu den Vorgängern mehr auf die Geschichte der Musketiere als auf die der Zwillingsbrüder und so treten ganz neue Aspekte zu Tage. Der Film lebt von seinen unterschiedlichen Charakteren, die, obwohl einseitig gestaltet dennoch sehr facettenreich daherkommen. Dementsprechend sind die Geschehnisse auch eher dialoglastig, für Mantel- und Degen-Filme typische Kampfszenen fehlen fast völlig, sind aber auch nicht erforderlich, denn allein durch die Intensität der Darstellung und der Interaktion der Figuren entsteht bereits genug Spannung. Die Dialoge beschränken sich nicht nur auf das Austauschen von kurzen Sätzen, teilweise sind Sprüche darunter, die wirklich bemerkenswert sind und einem lange im Gedächnis haften bleiben werden.
"Überflüssige" Szenen gibt es hier nicht, es wird keine Sekunde langweilig, im Gegenteil, von Minute zu Minute ist eine Steigerung zu verzeichnen. Die Geschichte nimmt in ihrem Verlauf einige leicht durchschaubare Wendungen, was aber den Spaß an der Sache nicht mindert. Entscheidend für den Zuschauer ist hier nicht der Überraschungs- oder Spannungseffekt, sondern die Frage, wie sich die Wendung vollzieht, wie die Charaktere darauf reagieren. Und es ist ein wahres Fest, die Schauspieler dabei zu beobachten.
Leonardo spielt die Rollen des Königs und seines Bruders vielleicht ein kleines bißchen zu extrem, zu überspitzt, was aber dem Gesamtbild keinen Abbruch tut. Der Kontrast im Verhalten der beiden Brüder tritt dadurch nur umso stärker zu Tage und es ist wirklich interessant zu beobachten, wie unterschiedlich ein Mensch durch seine Körpersprache, Mimik und Gestik wirken kann. Man glaubt tatsächlich, vor zwei völlig differierenden Menschen zu stehen.

Historisch gesehen ergeben sich zwar einige kleinere Fehler, was die Ausstattung und die real existenten Personen betrifft, aber das fällt bei diesem Film nicht weiter ins Gewicht.
Die Kostümierung ist sehr gut gelungen, Gewänder und Orte haben einen leicht angestaubten, muffigen Touch, was die Glaubwürdigkeit natürlich erhöht.
Die Musik ist ausgezeichnet und wird passend, aber nicht störend eingesetzt. Mehrere teilweise völlig unterschiedliche Themen stehen hierfür zur Verfügung.

Insgesamt betrachtet kann ich nur sagen, daß mich der Film unerwartet schwer beeindruckt hat. Irgendwie scheint hier alles zu stimmen, alles zusammenzupassen. Kurz gesagt, der Film ist ein absolutes Muß!