American Psycho
Ein Film, der von mir seit längerer Zeit schon sehnsüchtigst (und auch ein bißchen ängstlich) erwartet wurde, da es sich hierbei um die Verfilmung meines Lieblingsbuchs (Autor = Bret Easton Ellis) handelt. Ich war mir nicht sicher, ob sie es schaffen würden, die absolute Sinnlosigkeit, die die Protagonisten vorantreibt, diese endlose Kette aus Geschäftsessen und schicken Clubs und langweiligen Begegnungen, diese Atmosphäre, in der jeder jeden verwechselt, weil man sich letztendlich ja nur um sich selbst kümmert und die Umwelt nur periph wahrnimmt, darzustellen. Und es hätte mich sehr geärgert, wenn dieser Film den eigentlichen Punkt verpasst hätte und zu einer puren Schnetzelorgie verkommen wäre. Kurz zur Geschichte: Patrick Batemann wohnt in New York, arbeitet an der Wallstreet, ist von Geburt an schweinereich und sein Leben langweilt ihn. Seine Freunde, gesichtslose austauschbare Yuppies, langweilen ihn. Das tägliche Ritual des mittäglichen Lunchs und abendlichen Dinners mit Kollegen langweilt ihn. Weniger um dieser Langeweile zu entkommen, als vielmehr um endlich wahrgenommen, geliebt zu werden, bringt er Menschen, vornehmlich schöne Mädchen um, die er zu sich einlädt, gnadenlos zerstückelt und verstümmelt und mit ihren Innereien seine Wohnung dekoriert. Unnötig zu sagen, daß er nicht geschnappt wird, ja, es werden nicht mal Nachforschungen in die Wege geleitet. Kommentarlos putzt sein Zimmermädchen den Dreck weg, niemand auf dieser Welt scheint ihn wahrzunehmen. Auch dann nicht, als er all seine Morde gesteht..... Yes! Yes! Yes! Sie haben es tatsächlich geschafft, dieses Buch zu verfilmen. Besser noch, sie haben sich an die deutsche Übersetzung der Romanvorlage zu halten, d.h. sie haben exakt die gleichen Sätze benutzt. Wie schön! Natürlich konnten sie die explizit geschilderten Morde nicht darstellen, so daß wir uns mit "nur" zwei bis drei Morden begnügen müssen. Den Rest erzählt Patrick oder malt es in sein Tagebuch, so daß sich der Horror mehr im Kopf des Betrachters abspielt. Schön rübergebracht haben sie dafür die absolute Sinnlosigkeit und die gesichtslose Gesellschaft der 80ger Jahre. Hat mir sehr gut gefallen, es war genau das, was ich von diesem Film wollte. Genau das, was das Buch in mir auslöste und die Bilder, die ich beim Lesen sah. Christian Bale ist die Idealbesetzung für Patrick, derart tote Augen sah ich selten, man merkt ihm richtig an, daß er nur eine Hülle ist, daß Bateman eigentlich gar nicht da ist, disappear here.... Ich kann leider nicht sagen, wie Zuschauer den Film wahrnehmen werden, die da Buch nicht kennen. Werden sie darüber überrascht sein, wie langweilig, wie wenig spannend es eigentlich ist? Oder werden sie schockiert sein über die kalte Brutalität? Der Film ist auf jeden Fall anders als andere Filme, es gibt keine Helden, keine Bezugsperson, mit der man sich identifizieren möchte, sämtliche handelnden Personen bleiben anonym, man erfährt nur wenig über sie und es ist einem auch egal. Trotzdem entwickelt die Geschichte einen Magnetismus, dem man sich nur schwer entziehen kann und man erwartet stets einen Klimax, der aber nie in Erscheinung tritt. Man wünscht sich für Bateman, daß seine Morde entdeckt werden, daß er einmal ernstgenommen, wahrgenommen wird. Aber dies geschieht nicht und der Film endet wie er begann, bei einem Geschäftsessen, während hinter den Agierenden an einer Tür die Worte "This is not an exit" erscheinen. Und das ist es auch nicht. Es gibt keine Lösung. Nur eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, die den Zuschauer mindestens so kalt lassen wie den Antihelden. Ich weiß nicht, ob ich den Film so generell empfehlen kann, ich weiß nur, daß er mich wie das Buch tief bewegt hat und mir tierisch Spaß gemacht und mich gleichzeitig schwer deprimiert hat. Ich hätte gerne noch mehr Morde gesehen, aber das wäre wohl nicht durch die Zensur gekommen. Schaut den Film und lest das Buch (wenn ihr keinen schwachen Magen habt) und denkt mal drüber nach. Aber Vorsicht, Bret Easton Ellis macht süchtig!