The Truman-Show
Es gibt nur wenige bewegende Momente in der Filmgeschichte, die mir wirklich das Herz brechen können. Und nichtmal im Traum habe ich damit gerechnet, daß ausgerechnet Jim Carrey einen solchen Moment perfekt darstellen könnte.....

Das wohl größte kuppelförmige Studio der Welt befindet sich in Hollywood und es ist der Schauplatz einer der spektakulärsten und aufwendigsten Live-Sendungen der TV-Geschichte, der Truman-Show. 24 Stunden am Tag, bereits 30 Jahre lang fangen knapp 5000 Kameras Truman Burbanks ein und präsentieren es der ganzen Welt. Der Protagonist wurde legal von der Produktionsgesellschaft adoptiert und in diesem goldenen Käfig ausgesetzt, ohne zu wissen, daß alles um ihn herum eine künstliche Realität ist und alle Freunde, Verwandte und Bekannte nur bezahlte Statisten und Komparsen.
Doch auch dem besten Regisseur unterlaufen Fehler und als diese beginnen gehäuft aufzutreten, wird Truman mißtrauisch. Er, der sein ganzes Leben das kleine, idyllisch auf einer Halbinsel gelegene Städtchen Seahaven aus Angst vor dem Wasser nie verließ, entwickelt plötzlich den Drang, aus dieser perfekten Welt auszubrechen, und nichts und niemand wird ihn stoppen können, auch sein genialer Schöpfer selbst nicht...

Von der Geschichte her eine schöne in sich geschlossene Allegorie über das Erwachsenwerden und über den in uns allen steckenden Entdeckertrieb, der letztendlich die Menschheit kennzeichnet.
In der letzten Episode der Truman-Show emanzipiert sich der Hauptdarsteller endlich, beginnt, auf eigenen Füßen zu stehen und Verantwortung für sein Leben zu tragen.
Der Weg dorthin ist nicht leicht und es ist fraglich, ob es sich lohnt. "Die Welt dort draussen ist nicht besser, als diese Welt, Truman" warnt ihn sein Schöpfer. Aber das ist eine Erfahrung, die der Held allein machen muß, eine Erfahrung, die ihm viel zu lange vorenthalten wurde.

Das Ganze hat mich ziemlich mitgenommen, denn schließlich fühlt man sich im Kino auch irgendwie als Voyeur und obwohl es nur ein Film ist, kommt man stellenweise nicht umhin zu glauben, die Truman-Show sei Wirklichkeit und man sähe sie vom mehr oder minder bequemen Kinosessel aus. Man muß sich wirklich einmal in die Lage des Helden versetzen, gedanklich nachvollziehen, was die Show wirklich bedeutet. Das ganze Leben getreu nach Drehbuch, alle Freunde nicht real, alle Szenen, alles, was man je erreicht hat nicht real, sondern geplant, vorinszeniert, gezielt gesteuert, bis ins kleinste Detail konzipiert, gefälscht... Um so tragischer ist dann der Moment des Erwachens, der Erkennens der Realität und der Seahaven-Traumwelt, meisterhaft visuell in Szene gesetzt und gespielt.

Auch von der Machart her ist der Film zu loben. Die Kulissen und Kostüme spiegeln eine nahezu perfekte kitschige 50ger Jahre-Idylle wider, die Kameraeinstellungen entsprechen größtenteils denen der in der TV-Show tatsächlich eingesetzten, die Rollen sind ideal besetzt, was will man mehr?
Der Filmfluß ist kontinuierlich, es gibt keine langatmigen Szenen, keine auffälligen logischen Fehler, es existieren viele kleine liebevolle Randdetails, die einem vielleicht erst beim zweiten Mal schauen so richtig auffallen, kurzum der Film ist jede Minute lang ein Vergnügen und Carrey der perfekte amerikanische Spießbürger.
Sehr zu empfehlen!