Fight Club
Wieder ein mal ein Film, bei dem es sich auszahlt, ihn total uninformiert zu besuchen, denn um so größer ist die Überraschung am Ende.
Entsprechend will ich an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten.

Der namenlos bleibende Erzähler (Edward Norton) arbeitet für einen namhafte Autohersteller, in dessem Auftrag er Unfälle im Hinblick auf mögliche Rückrufaktionen dokumentiert. Sein Leben langweilt ihn, seine Wohnung ist perfekt mit allen möglichen Ikea-Möbeln eingerichtet, sein Leben ist sinnlos. Um sich zu unterhalten, besucht er Selbsthilfegruppen für Todkranke, wo er sich in aller Ruhe ausheulen kann. Doch die Idylle wird gestört, als er das Mädchen Marla trifft, die auch diese Gruppen besucht. Er fürchtet, daß herauskommt, daß er gar nicht krank ist und es kommt zur Konfrontation mit Marla. Kurze Zeit später trifft er auf Tyler Durdon (Brad Pitt), einen Lebenskünstler, und da seine Wohnung durch eine Gasexplosion vernichtet wurde, wohnt er auch bald bei selbigem in einem Abbruchhaus. Auf einem Parkplatz vor einer Bar schlagen die beiden sich aus Spaß zusammen und weil das auch anderen Menschen gefällt, gründen sie einen Fight Club, wo sich alle von nun an möglichst oft zusammenschlagen. Nur durch den Schmerz scheinen sie zu fühlen, daß sie noch leben. Der Erzähler ist mit sich und der Welt zufrieden, er braucht keine Selbsthilfegruppen mehr und kann endlich wieder ruhig schlafen.
Doch dann taucht Marla wieder auf, verliebt sich in Tyler, stört die Männeridylle und zu allem Überfluß beginnt Tyler, sich eine Armee von willigen Sklaven des Fightclubs heranzuzüchten, um die Welt in Anarchie zu stürzen.
Einzig der Erzähler kann ihn noch stoppen.

Jaaaa....das klingt jetzt etwas konfus, ich weiß...aber der Film bietet einfach zu viel Story und Skurillitäten, um ihn hier adäquat zusammenzufassen. Das muß man sich schon ansehen. Viele einzelne Komponenten fließen zusammen, eine Männerfreundschaft, eine klassische Dreiecksgeschichte, viele Kampfszenen, viel Blut, Spannung, Wahnsinn.....und trotz allem verliert sich die Geschichte nie selbst, wird konsequent und in allen Enden am Schluß wieder logisch zusammengeführt. Sehr schön! So was gibt es selten.
Und um so seltener ist es, daß ein Film sowohl eine faszinierende Geschichte erzählt, unglaublich witzig ist und zusätzlich noch visuell beeindruckend in Szene gesetzt wurde.

Fight Club ist einer der wenigen Filme, die das Medium Ton gezielt einsetzen. Beschränken sich die meisten Regisseure nur auf die simple Wiedergabe der Geräusche, so treten sie hier stellenweise sogar auffallend aber nicht aufdringlich in den Vordergrund, runden das Bild ab, intensivieren es sogar und sprechen den Zuschauer damit auch unmittelbar emotional an. Sei es nun, um den körperlichen Schmerz der Akteure während eines Fights zu verdeutlichen, das dumpfe Klatschen von Fleisch auf Fleisch, das Spritzen des Blutes, das Gejohle der Zuschauer, das eigene Keuchen, oder um die trostlose Atmosphäre des Abbruchhauses nahezubringen, das ewige Wassertropfen, das Scharren des Ungeziefers in den Wänden, fast glaubt man, während des Filmes Dinge riechen zu können.
Eine faszinierende Erfahrung.

So unkonventionell wie die Charakter ist auch die Kameraführung, an manchen Stellen werden gezielt Zooms auf Gegenstände oder durch Räume eingesetzt, auch hier wird dabei nicht übertrieben, sondern es geschieht genau im richtigen Maße.

Auch die Darsteller bleiben nicht zurück, überrascht hat mich vor allem Edward Norton, den wir als Beobachter in keiner Szene des Filmes verlassen und dem ich eine solch ironisch-sarkastische Rolle gar nicht zugetraut hätte und der Brad Pitt (der hier mal wieder den irren Sonnyboy geben darf) definitiv an die Wand spielt.

Insgesamt betrachtet neige ich fast dazu, diesen Film ein Meisterwerk zu nennen, denn sowohl in visueller, wie auch in akustischer und in storytechnischer Hinsicht ist hier echt was geleistet worden. Er hebt sich deutlich von anderen Filmen ab und hinterläßt einen bleibenden Eindruck. Zugegeben, stellenweise gibt es Szenen, die sich unnötig in die Länge ziehen, so z.B. die schier endlosen Fights, aber das läßt sich verkraften.
Wirklich ein Erlebnis und wahrscheinlich nichts für Leute, die kein Blut sehen können.