Keeping the Faith
Kennt ihr die Geschichte vom Rabbi und vom Priester? Nein, das wird jetzt kein schlechter Witz, sondern eine wunderschöne komische Liebesgeschichte mit faszinierenden Schauspielern.

Rabbi Schram (Ben Stiller) und Pater Finn (Edward Norton) sind seit ihrer Kindheit die allerbesten Freunde. Ergänzt wurde das Gespann durch Anna Reilly (Jenna Elfman), die sie nun, zwanzig Jahre später, wiedertreffen. Und natürlich verlieben sie sich beide in sie, was aber aufgrund ihrer Berufe ja gar nicht mal so einfach ist...

Klingt jetzt so spontan nicht so prickelnd, aber bei diesem Film stimmt die Chemie definitiv. Die Hauptpersonen sind allesamt sehr charismatisch und gut dargestellt, die Dialoge sind witzig und pointiert, der Handlungsverlauf ist einleuchtend und wimmelt von liebenswert lustigen aber nicht albernen Szenen.

Schön, daß die Religion dabei nur eine geringe Rolle spielt und daß es viel mehr um die Menschen geht, die dahinterstehen. So wird's nicht allzu kompliziert und philosophisch. Es werden einige Themen zwar angerissen, verblassen aber auch schnell wieder. Übrig bleiben zwei Priester, die durch ihren Stil die Kirche umkrempeln, modernisieren wollen und so immer volle Säle haben. Es ist fraglich, ob solche Charaktere real sind, ob sie nicht außerhalb Hollywoods ganz ganz fix an dem Widerstand der Kirchenoberen und/oder einer konservativen Gemeinde scheitern würden. Aber dies ist ja eigentlich auch nicht Gegenstand des Filmes, hier geht es immerhin um Liebe und Freundschaft.....

Außerdem stellte sich mir spontan die Frage, wieso solche Filme immer in New York spielen. Ist es, um ihnen ein Großstadtflair zu verpassen? Um zu verdeutlichen, daß in dieser Stadt alles möglich ist? Sind die Menschen dort denn anders als anderswo? Oder packt man seinen Film damit in eine gewisse Schublade, um Zielgruppen gezielt anzusprechen? Identifiziert man sich überall auf der Welt leichter mit den Hauptpersonen, weil man die Stadt aus tausend Beziehungskistenfilmen kennt? Es ist mir ein Rätsel. Zum Glück wird aber im Film nicht weiter darauf eingegangen, so daß das ganze sich auch gut in irgendeiner amerikanischen Großstadt hätte ereignen können.

Bleibt noch zu erwähnen, daß wieder einmal die Körperkomik, die der schlaksige Edward Norton geschickt einbringt und die wir ja schon aus "Fight Club" kennen, auch hier nicht zu kurz kommt. Erinnert einen szenenweise an alte Slapstick-Zeiten. Da macht das Zuschauen Spaß.

Insgesamt betrachtet eine sehr gute Komödie mit viel Herz und Schmerz und Spannung und Spaß, bloß nicht verpassen! Die verbalen Schlagabtäusche zwischen den Charakteren sind einfach zu gut. Da gibt's nix zu meckern. Spaßig für Kinofans auch die vielen Insider-Gags und Seitenhiebe auf andere Filme. Nortons Rainman-Interpretation hat mich wirklich vom Stuhl gerissen. Erste Sahne!!!