Lost Highway
"Dick Laurent ist tot." Dieser Satz, ausgesprochen von und gerichtet an ein und dieselbe Person umschließt den Film wie eine sich selbst in den Schwanz beißende Schlange. Grob betrachtet handelt es sich bei "Lost Highway" um eine recht gewöhnliche Liebesgeschichte. Ein Mann findet heraus, daß ihn seine Frau mit zwei weiteren Männern betrügt , bringt sie und seine Rivalen um und landet dafür auf dem elektrischen Stuhl. Aber man darf nicht vergessen, daß es sich hierbei um einen David LynchFilm, handelt. Natürlich ist wieder eine mysteriöse Figur mit im Spiel, die Kausalität wird umgekehrt, Wirkungen treten vor den Ursachen ein und niemand ist der, der er zu sein scheint.

Fred und Renee sind ein recht unterkühlt wirkendes Pärchen, auch der Sex läuft mechanisch bei ihnen ab. Eines Tages erhalten sie seltsame Videobänder, die im Inneren ihrer Wohnung aufgenommen wurden. Auf einem beobachtet Fred sich selbst dabei, wie er die schwarzhaarige Renee zerfleischt. Die Polizei nimmt ihn nach dem Mord gefangen und er wird verurteilt. Doch schon am Tag darauf sitzt ein völlig anderer Mann an seiner Stelle in der Todeszelle. Keiner kann sich diesen Wandel erklären und so wird Pete, ein junger Automechaniker freigelassen. Bei der Arbeit trifft er die blonde Alice, welche Renees Gesicht trägt und er beginnt eine Affaire mit ihr, in deren Verlauf er zwei weitere ihrer Liebhaber, darunter auch den Gangsterboß Eddie "Dick" Laurent, tötet.....

"Wenn im Osten, im fernen Osten eine Person zum Tode verurteilt wird, schickt man sie an einen Ort, von wo sie nicht entkommen können. Und sie wissen nie, wann der Henker hinter sie treten und ihnen eine Kugel in den Hinterkopf schießen wird."

Dieser Satz beschreibt wohl am besten den Kern des Filmes. Obwohl die ganze Geschichte sehr verwirrend klingen mag, fügen sich doch in allerletzter Minute die Puzzleteilchen perfekt und logisch zusammen. Bis dahin lebt der Film von allumfassenden Rätseln, die Spannung liegt darin, ständig Lösungen zu erahnen, aber sie nie definitiv bestätigt zu bekommen. Dialoge gibt es nicht viele, der Film ist stark visuell orientiert und scheint sich stellenweise nur aus zugegebenerweise brillant inszenierten Standbildern untermalt durch Lieder von Rammstein, Bowie, Nine Inch Nails etc. zusammensetzen
Die Schauspieler wirken etwas blaß, haben irgendwie nicht zuviel zu tun und taumeln verwirrt wie der Zuschauer durch das Geschehen. Trotzdem sind sie nett zu beobachten, interessant ist auch der inmitten des Filmes stattfindende Hauptdarstellertausch.

Gesamt gesehen eine faszinierende Sache, ein spannender Mysterythriller, der eben mal ganz anders ist als übliche Filme. Teilweise leicht deplaziert wirkende Sexszenen geben dem Ganzen ein leichtes Schmuddelimage und stören etwas den Handlungsfluß, beeinträchtigen ihn aber nicht zu sehr. Der Zuschauer schlüpft in die Rolle eines Voyeurs, aber es macht Spaß, einfach nur zu beobachten, keine weitreichenden Erklärungen geliefert zu bekommen, sich einfach mal auf eine irre Reise durch die Nacht einzulassen.
Zualledem kann man sich den Film auch getrost ein weiteres Mal ansehen, wenn die Rätsel gelöst und die Hintergründe bekannt sind, denn einerseits gibt es viel zu entdecken, andererseits ist es spannend, die sich aufbauende Stimmung noch einmal zu durchleben, denn witzigerweise spielt sich ein Großteil des Filmes nicht auf dem Bildschirm sondern im eigenen Kopf ab, so daß hier verschiedene Variationsmöglichkeiten gegeben sind. Kein Film, den man sich mal nebenher beim Bügeln oder so ansehen kann, Zimmer verdunkeln, ein paar Kerzen anmachen und eurer Phantasie freien Lauf lassen.
Viel Spaß damit!