Blairwitch Project
Ein Film, um den es viel selbstinszenierten Medienrummel gab. Begonnen hat alles mit einer Internetseite, die die angeblich wahre Begebenheit schilderte und die Neugier des Publikums anheizte....

Die Story an sich ist nicht sehr spektakulär. Drei Filmstudenten brechen zu einem Campingtrip in den undurchdringlichen Wäldern Marylands auf. Bewaffnet mit einer normalen Videokamera und einer 16mm Schwarz-Weiß-Kamera wollen sie einen Dokumentarfilm über den Mythos der Hexe von Blair drehen.
Sie verirren sich im Wald und des nächtens umgeben sie seltsame Geräusche. Bald liegen bei den dreien die Nerven brach und sie beginnen zu spüren, daß sie nicht mehr lebend davonkommen werden....

Es handelt sich bei Blairwitch Projekt um einen Low-Budget-Film, der mit ziemlicher Raffinesse vermarktet wurde. Angeblich ist die Geschichte wahr, ein Jahr nach dem Verschwinden der Studenten hätte man das Filmmaterial gefunden und in die Kinos gebracht.
Wenig Aufwand, große Wirkung. Drei Leute, ein Zelt und einen guten Soundmixer, mehr braucht es nicht, um eine gruselige, ja fast den Zuschauer terrorisierende Atmosphäre zu schaffen.

Die eigentliche Spannung bezieht der Film dabei aus mehreren Quellen:
Das eigentliche Böse, die Bedrohung der Studenten, ist unsichtbar. Es greift des nachts an, aber der Zuschauer sieht es nicht. Man kann nur die Geräusche hören, jeder kann sich sein eigenes Bild machen.
Als Erklärung wird der Mythos der Hexe von Blair präsentiert, die 1785 wegen diverser Kindermorde in die Wälder verbannt wurde (Für weitere Informationen konsultiert doch einfach die Webpage http://www.blairwitch.com. Es lohnt sich).

Es handelt sich hierbei um eine Ausgangssituation, die dem Publikum vertraut ist. Wer war nicht schon mal zelten, weitab von allem, und hat dabei seltsame Geräusche bemerkt? (Ich sag nur Sommercon 95!) Wer kann sich nicht in die drei Studenten unmittelbar reinversetzen?

Die Stellung des Zuschauers schwankt zwischen Voyeur und Akteur. Durch die Kameraführung und die ungezwungenen Dialoge, sieht man quasi durchs Schlüsselloch auf die Hauptpersonen, man bekommt das Gefühl, mit der Gruppe im Wald festzusitzen und ist sehr stark in das Geschehen miteinbezogen.
Besonders positiv ist mir bei diesem Film aufgefallen, daß die Regisseure ein sehr gutes Gefühl dafür haben, Schlußpunkte zu setzen. Immer genau dann, wenn man beginnt zu denken "Das wiederholt sich, das ist jetzt langweilig", ist die Szene bzw. sogar der Film auch schon vorbei. Großartig! Gut gelungen sind dabei auch die Kamerawechsel zwischen der hektischen Farbkamera und der ruhigeren Schwarz-Weiß-Kamera.

Mit anderen Filmen läßt sich Blairwitch Projekt nur schwer vergleichen. Es gibt keine ausgefeilten Dialoge, keine schauspielerischen Höchstleistungen, keine tollen Effekte, kein tolles Drehbuch......einfach nur drei Leute, die sich im Wald verirren und diese Einfachheit macht den Film so erfrischend anders. Das ist wirklich nichts für Leute mit schwachen Nerven und/oder reger Phantasie, ich habe mich selten im Kino derart gegruselt. Herrlich!