Neverwhere
Inspirationen für gute Geschichten sind Überall um uns herum und einen guten Autor zeichnet es aus, alltägliche Gedankenansätze aufzunehmen, um aus ihnen fantastische Handlungsstränge zu spinnen. Und eben jenes gelingt auch immer wieder Neil Gaiman, der anscheinend in seinem Leben zu oft in der Londoner U-Bahn unterwegs war. Jedenfalls oft genug, um Über die seltsamen Stationen nachzugrübeln wie z.B. Earls Court, Angel, Black Friars und Knightsbridge, mit deren Namen er eine völlig neue (und doch irgendwie altvertraute) Welt erschafft: London below...

Unterhalb Londons und für normale Menschen nicht erkennbar spannt sich ein weitverzweigtes Netz voller geheimnisvoller Orte und Menschen, die so gar nicht in unser Gesellschaftsbild passen. Es gibt einen Engel namens Islington, einen Earl der in einer fahrenden U-Bahn Hof hält, ein Biest in einem Labyrinth und die Black Friars, die einen machtvollen Schlüssel bewachen. Und es gibt ein Mädchen namens Door, welche das Geheimnis des blutigen Massakers an ihrer Familie lüften möchte und sich dadurch selbst in Lebensgefahr begibt.
Durch einen Zufall gerät Richard Mayew, Versicherungsagent mit langweiligem und normalen Lebenswandel, in diese Welt, auf die ihn nichts und niemand vorbereiten konnte. Was ist seine Rolle in diesem Spiel? Und wird er je wieder den Weg in das oberirdische London zurück finden?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es nun gut oder schlecht finden soll, daß es sich hierbei nicht um einen Kinofilm, sondern um eine BBC-Miniserie handelt.
Einerseits hätte ein Film ein größeres internationales Publikum (was ich "Neverwhere" von Herzen gönne), andererseits hätte man dafür dann sicher nicht 173 Minuten Spielzeit zur Verfügung.

Einerseits hätte man mehr Budget auf aufwendige Kulissen und hochrangige Kameramänner verwenden können, andererseits wirkt Neverwhere aber so wie es ist um so realistischer. Man bekommt das Gefühl, alles wurde sich an realen Schauplätzen ereignen und ein einzelner Mensch wäre einfach mit einer Kamera den Protagonisten hinterhergetrabt. Im Prinzip bedauere ich es, daß für wirklich tolle Ideen immer nur wenig Geld zur Verfügung steht und andererseits für Milliarden irgendwelche inhaltlich leeren aber gut verpackten Filmchen auf den Markt geschmissen werden.
Womit ich aber nicht sagen will, daß sich dieses BBC-Serienfeeling (und wer englische TV-Serien kennt weiß, was ich meine) irgendwie negativ auf Neverwhere auswirken werde. Im Gegenteil, es strahlt einen ganz besonderen Charme aus. Wirkt halt typisch britisch und entsprechend realistisch.
Kurzum ist "Neverwhere" ein wirklich erfrischender Ausbruch von Phantasie inmitten der sonst eher trist anmutenden britischen Szenerie. Das Hauptaugenmerk liegt dabei aber wie gesagt mehr auf der Geschichte und den Darstellern als der Machart und Ausstattung. Ausgenommen seien hierbei die Kostüme der Charakter, eine wahre Augenweide!

Die Serie ist spaßig, logisch durchdacht, bietet Raum für Fortsetzungen (und sei es auch nur, daß man die Geschehnisse selbst weiterspinnt), langweilt keine Sekunde, wartet mit vielen interessanten Charakteren auf, die sich auch entsprechend verhalten, zeigt einige raffinierte Storywendungen und ist definitiv ein Muß nicht nur Für Gaiman-Fans.

Man wird die Londoner U-Bahn beim nächsten Mal mit ganz anderen Augen betrachten....