Meet Joe Black
Wieder einmal hat Hollywood das Rad nicht neu erfunden und greift auf eine Geschichte zurück, die wohl so alt ist wie die Menschheit. Der Tod kommt in Gestalt eines schmucken Jünglings (Brad Pitt) auf die Erde und macht einen Deal mit dem alternden Medienmogul Bill Parrish (Anthony Hopkins). Dieser soll ihm seine Welt zeigen und erhält im Gegenzug ein paar Tage Zeit, um seine Belange zu ordnen und seinen Konzern vor einer feindlichen Übernahme zu bewahren. Derweil verliebt sich der Tod in Bills jüngste Tochter (Claire Forlani), muß aber dann doch einsehen, daß diese Liebe keinen Bestand hätte und er verläßt diese Welt allein, jedoch um viele schöne Erinnerungen reicher.

Kameraführung, Kostüme etc. spielen bei diesem dialoglastigen Film nur eine untergeordnete Rolle, es konzentriert sich mehr auf die Personen, als auf die Schauplätze. Entsprechend sind auch die Charaktere liebenswert bis ins Detail ausgearbeitet. Kritiker nutzten dies zum Anlaß, ordentlich über Brad Pitt abzulästern. Er sei so steif wie ein Kleiderständer, könnte nicht schauspielern, der ganze Film wirke unterkühlt etc.. Schade eigentlich, daß sie dabei den grundlegenden Sinn der Geschichte nicht erfaßten. Natürlich ist der Tod steif, denn er steckt schließlich normalerweise nicht in einem menschlichen Körper. Natürlich ist er kalt, denn er will ja erst erfahren, was Liebe, was Leidenschaft bedeutet. Brad Pitt schafft es, diese Figur mit einer tiefen unendlichen Gelassenheit, gepaart mit absoluter Unbeholfenheit in menschlichen Dingen meisterhaft darzustellen. Ich hätte mir in dieser Rolle niemanden sonst vorstellen können. Aber nicht nur ihn zu beobachten macht Spaß, auch die anderen Schauspieler füllen ihre Rollen adäquat aus.
Schön ist dabei auch der Sinn fürs Detail, auch kleinere, für den Handlungsverlauf unwichtigere Momente wurden mit viel Gespür in Szene gesetzt und runden so das Gesamtbild perfekt ab.

Unerwartet überraschte mich die subtile Komik des Filmes. Irgendwie kam ich mir ja seltsam vor, fast als einzige im Kino ständig loszukichern, aber sowohl die Dialoge als auch die Mimik und Gestik der Hauptdarsteller ist manchmal einfach zu goldig. Ohne in tumbe Situationskomik hinüberzugleiten entstehen immer wieder gewollt plazierte, aber nicht groß in Szene gesetzte Spitzen, die einfach unheimlich witzig sind. Vieles ergibt sich natürlich aus der Art, wie der Tod die menschliche Welt entdeckt, vieles aber auch einfach im verbalen Schlagaustausch. Lächerlich oder aufgesetzt wirkt es dabei aber keine Sekunde.
Unübertrefflich ist der Schlußgag, als der Tod dem Ex-Verlobten des Mädchens seine "wahre" Identität preisgibt. Wieder einmal etwas, womit ich nicht rechnete und worauf ich mich vor Lachen halber aus dem Kinosessel geschmissen habe...einfach nur gut!

Insgesamt betrachtet ein sehr langer (knapp 3 Stunden) aber keineswegs langweiliger Film, es gibt keine "unnützen" Szenen, die Handlung ist in sich logisch und geschlossen. Der Realismus hält sich in Grenzen, ich würde es eher als ein modernes wunderschönes Märchen beschreiben. Definitiv nicht nur für Brad-Pitt-Fans zu empfehlen!