Scream
Schön zu sehen, daß es noch Horrorfilme gibt, in denen schreiende Teenager zu fröhlichen Hardrockklängen nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip abgeschlachtet werden, wobei die unkaputtbare Heldin natürlich jeder Gefahr gekonnt entgeht. Soweit sogut, dieser Film reiht sich nahtlos in die Reihe der 80ger Jahre-Schocker wie z.B. "Halloween", "Freitag der 13" und "Nightmare on Elmstreet" ein. Wirklich nahtlos? Nun, nicht ganz, denn eine entscheidende Sache fehlt dem Film und das ist der Gruselfaktor.
Dem Publikum wird dieser meist durch das Hinzufügen übersinnlicher Elemente garantiert. Was machte Freddy Krüger so grausam? Er war nicht nur ein Kerl im lustigen Pullover, der wahllos Leute abschlachtete, nein, er kam in den Träumen und man konnte ihm nicht entkommen, auch das Publikum nicht, welches sich abends sicher in den Betten wähnte. Michael Meyers ist ein psychotischer Killer mit seltsamen Gesichtszügen und seltsamer Bewegungsweise, aber auch hier ist sein wahres Menschsein nicht bestätigt ('Er ist das absolute Böse', so sein Psychiater).
Nicht so in Scream, es handelt sich "nur" um Massenmörder, d.h. es gibt ganz nette Splattereffekte zu sehen, die Helden sind am Rennen und am Schreien, aber so richtig gruselig wird der Film dabei nicht. Auch an Schreck einjagenden Kamerafahrten sowie nervenaufreibender Musik oder Keuch-Soundeffekten fehlt es diesmal völlig.
Wahrscheinlich war geplant, den Horror daraus zu beziehen, daß es sich diesmal um Täter aus dem Bekanntenkreis handelt, Täter, denen man so etwas nie im Leben zutraute (naja, die Zuschauer schon, die Opfer natürlich nicht). Und wahrscheinlich hätte die Hauptheldin dies auch schon Früher herausbekommen können. wenn sie dem Übelmeier, der oft genug am Boden lag, mal die Maske weggezogen oder innovativ das Messer aus der Hand gerissen hätte (ok, zugegeben, wer ist schon so intelligent in Horrorfilmen). Aber damit wäre wohl das letzte gekünstelte Spannungselement des Filmes auch noch flöten gegangen.

Anscheinend war Scream als kleine Persiflage auf Horrorschocker gedacht, es mangelt nicht an Anspielungen und Insidergags, aber das allein macht noch keinen guten Film aus. Irgendwie hat man alles schon mal gesehen und es ist nicht besonders aufregend Inszeniert worden. Von der Qualität erreicht dieser Film fast den Standard von "Nightmare 7" (wer den gesehen hat, weiß, was ich meine). Wes Craven, was ist bloß aus dir geworden? Auf den bereits angekündigten zweiten Teil werde ich mich jedenfalls nicht freuen.