City of angels
Vertraue nie einer Neuverfilmung, schon gar nicht, wenn es sich dabei um die Amerikanisierung eines deiner Lieblingsfilme handelt....trotzdem wollte ich dieser Hollywood-"Himmel über Berlin"-Interpretation eine Chance geben. Tscha, bei der Chance blieb es dann auch....

Kurz zur Geschichte:
Seth ist ein ganz normaler Engel. Zusammen mit seinen Artgenossen hängt er in der Bibliothek von Los Angeles rum, lauscht der Musik der Sonnenauf- und Untergänge, beobachtet die Menschen und begleitet Sterbende auf dem Weg ins Licht. Auf einem dieser Wege begegnet ihm dabei Maggie, eine junge Ärztin, deren Patienten er in Empfang nahm. Seth verliebt sich Maggie und ist zunächst unsichtbar bei ihr und versucht sie zu trösten. Doch bald reicht ihm das nicht mehr und er erscheint ihr. Es kommt wie es kommen muß, sie verlieben sich ineinander. Doch um auch fleischlich bei ihr sein zu können, sie berühren zu können, riechen und schmecken zu können, muß Seth sein Engelsdasein aufgeben und den schmerzhaften Fall in unsere Welt tun. Er gewinnt viel, zahlt aber auch einen hohen Preis für diesen Schritt...

Es gibt natürlich zwei Möglichkeiten, diesen Film zu sehen. Zum einen völlig losgelöst von seinem Vorgänger, zum anderen im direkten Vergleich.
Letzterer Ansicht folgend ist zu sagen, daß der Film auf ganzer Linie versagt. Selbst wenn man berücksichtigt, daß es sich hierbei um eine etwas anderen Handlungsverlauf und um Engel des amerikanischen Kontinents handelt, die dementsprechend einen anderen kulturellen Hintergrund mit sich bringen, gelingt es dem Film nicht, den Zuschauer in eben jene intensive Gefühlswelt zu verwickeln, die das Original aufbaute. Zu beachten ist natürlich hierbei auch, daß die Stadt Berlin und ihre Geschichte in Wim Wenders Film eine nicht zu unterschätzende und die Charaktere stark prägende Rolle spielte. In "Stadt der Engel" geht es hingegen nicht auch um die Stadt "Los Angeles", was ja interessante Aspekte und Möglichkeiten geboten hätte, sondern einzig und allein um Seths Zuneigung zu Maggie. Das degradiert den Film somit zu einer reinen Liebesgeschichte, gewürzt um die Tragik zweier unterschiedlicher Wesen, die zunächst einmal nicht zusammen kommen können.
Sieht man den Film allein unter dieser Gesichtsweise, macht es ihn allerdings auch nicht besser, der Spagat zwischen kommerzieller Hollywood-Routinearbeit und Autorenkino glückte nicht im geringsten.

Faszinierte das Original, das zugegebermassen stellenweise auch seine Längen und überflüssige Szenen hatte, durch die Kinematographie, die Verwendung von Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen und den geschickten Einsatz von gedachten und gesprochenen Dialogen und regte somit zum Nachdenken und Phantasieren an, nicht zuletzt auch durch die verwendeten lyrischen Texte und den Einsatz solch hochkarätiger Theaterschauspieler wie Bruno Ganz und Otto Sanders, so liegt bei "Stadt der Engel" nur eine an jeder Stelle durchschaubare und den Zuschauer nur geringfügig berührende Handlung vor, Atmosphäre entsteht an den seltensten Stellen und wirkt dann schon eher lächerlich als mitreissend.
Unklar bleibt in diesem Film auch der Status der Engel. Angeblich können sie niemanden berühren, seltsamerweise aber dann doch, wenn sie es wollen, nur fühlen sie nichts dabei, das Gegenüber aber schon....Gegenstände können sie auch ohne Probleme durch die Gegend tragen. Sehr seltsam. Hier wäre es wohl besser und glaubwürdiger gewesen, auf die Stofflichkeit komplett zu verzichten und Seth Maggie erst berühren zu lassen, nachdem er in die Menschenwelt überwechselte. "Himmel über Berlin" lebte unter anderem von der Tragik, daß Daniel stets in der Nähe seiner Geliebten war, aber keine Möglichkeit hatte, mit ihr in Kontakt zu treten oder sie zu berühren. Etwas ähnliches hätte "Stadt der Engel" auch sehr gut getan.

Insgesamt gesehen nicht unbedingt ein schlechter Film, reicht aber auch nicht über das Mittelmaß hinaus. Es gibt einige wenige gute Momente, größtenteils zieht sich das ganze aber doch recht langwierig hin. Nicholas Cage ist ganz nett zu beobachten, füllt die Rolle auch entsprechend aus. Meg Ryan trifft es hingeben nicht so ganz, mag auch daran liegen, daß der Charakter einfach zu glatt, zu freundlich, zu perfekt ist. Nicht gerade passend gewählt.
Der Film ist also nicht besonders zu empfehlen...schade eigentlich.....