Sunshine
Ein Hauch von Sonnenschein ist ein von Kritikern hochgelobter Drei-Stunden-Film, der es nicht bis in die Kino-Center geschafft hat. Da gab es nun zwei Möglichkeiten....entweder der Film ist grottenschlecht oder.....da der Trailer ganz gut aussah, habe ich mir das aus Neugier einfach mal angetan, zum Glück!

Der Film erzählt die Geschichte der ungarisch-jüdischen Familie Sonnenschein über drei Generationen hinweg.
Die Brüder Ignatz und Gustave wachsen zusammen mit ihrer Cousine Valerie auf. Ihr Vater hat es durch das Brennen von Schnaps zu Wohlstand gebracht.
Ignatz studiert Jura und wird Richter. Um Karriere zu machen, gibt er seinen jüdischen Namen auf und nimmt den Namen Sors an. Er heiratet Valerie und die beiden bekommen zwei Söhne, Istwan und Adam.

Es stellt sich heraus, daß Adam ein wahres Fechtgenie ist. Um trotz seiner bürgerlichen Herkunft im Offiziersclub fechten zu können, gibt er seine Religion auf und konvertiert zum Christentum. Er lernt die Jüdin Hanna, die ebenfalls konvertiert und heiratet sie. Zusammen mit ihr hat er einen Sohn, Ivan. Er beginnt eine Affaire mit seiner Schwägerin Greta, weigert sich jedoch, wegen ihr Hanna zu verlassen. 1936 gewinnt er bei der Olympiade eine Goldmedaille, doch sie kann ihn nicht vor den Repressalien schützen, denen Juden in Ungarn ausgeliefert sind. Im Konzentrationslager wird er vor den Augen seine Sohnes hingerichtet.

Nach dem Kriegsende übernehmen Kommunisten in Ungarn das Kommando und Ivan widmet sein Leben der Verfolgung von Kriegsverbrechern. Erneut beginnen die Juden in Mißkredit zu geraten und tatenlos muß Ivan mitansehen, wie sein Vorgesetzter, zu dem er ein gutes Verhältnis hatte, der zionistischen Verschwörung angeklagt wird und in Gefangenschaft stirbt. Er beginnt ein Verhältnis mit Carola, deren Mann ein hohes Tier der Armee ist, aber obwohl sie Ivan liebt, will sie ihren Mann und die Sicherheit, die er ihr bietet, nicht aufgeben. Ivan beginnt, sich gegen die Kommunisten zu wenden. Wegen einer flammenden Rede, die er in der Öffentlichkeit hält, wird er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Ale er nach drei Jahren wieder freikommt, stirbt seine Großmutter Valerie und er nimmt den Namen Sonnenschein wieder an, löst das Haus auf und wagt einen Neubeginn.

Soviel zu der Geschichte in sehr sehr extremer Kurzfassung. Überhaupt faßt sich auch der Film in vielem viel zu kurz, die Leben dreier Menschen lassen sich nicht in drei Stunden komplett ausleuchten. Die Charaktere weisen eine solch eigentümliche Tiefe auf, daß Istwan Sabo in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit gerade mal an der Oberfläche kratzen kann.
Dies gelingt ihm nicht immer, viele der Dialoge bleiben platt, gewissen Wendungen und Gedanken nur angedeutet, was sehr schade ist. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich nur auf zwei Generationen zu konzentrieren.
Die einzige Konstante während der ganzen Zeit stellt die lebenslustige und immer irgendwie präsente Valerie da, die letztendlich auch der Schlüssel des Filmes ist, es ist vielmehr ihre Geschichte, die erzählt wird.

Schauspielerisch gesehen ist dieser Film ein wahres Vergnügen, es macht einfach Spaß, die Leute zu beobachten, interagieren zu sehen. Ralf Fiennes brilliert hier in einer Dreier-Rolle und er schafft es auch, die Charaktere unterschiedlich darzustellen. Gemein ist ihnen allen nur der Wunsch, für ein Ideal zu kämpfen, sei es nun für den Kaiser, die Goldmedaille oder Stalin. Spaßig ist auch, daß Valerie in ihren unterschiedlichen Lebensalter von einem Mutter/Tochterpaar (Jennifer Ehle und Rosemary Harris) dargestellt wird. Und ich hatte mich schon gewundert, wie sie die Ähnlichkeit hinbekommen haben....
Doch, sehr schön gemacht.

Kostüm- und Ausstattungstechnisch auch sehr gut, die unterschiedlichen Zeitalter wurden gut getroffen, schöne stimmige Aufnahmen.

Insgesamt betrachtet lohnen sich die drei Stunden wirklich. Sie kommen einem viel zu kurz vor, da man noch so viel mehr hätte erzählen können. Schade eigentlich, vielleicht hätte das ganze als TV-Serie (wie es ursprünglich geplant war) viel besser gewirkt. Ich wäre definitiv Fan geworden.