The Beach
Ein Film mit Leonardo DiCaprio und genau deswegen werden wohl viele Leute ins Kino pilgern und leider ziemlich enttäuscht werden, denn die Rolle paßt nicht zu ihm, zumindest nimmt man sie ihm nicht ab, er wirkt ziemlich unbeteiligt und hölzern, obwohl ich ihn eigentlich für einen guten Schauspieler halte.

Richard reist nach Thailand, um ein Abenteuer zu erleben, dem Alltag zu entfliehen. In einer billigen Absteige trifft er den durchgeknallten Daffy, der ihm von einem perfekten Strand erzählt, bevor er sich die Pulsadern aufschneidet. Viele Urlauber in Thailand halten das ganze für eine weitere "Spinne in der Yucca-Palme"-Geschichte, aber Daffy hinterläßt eine Karte und zusammen mit Francoise und Etienne, einem französischen Pärchen, macht er sich auf, das Paradies zu suchen. Dort angekommen finden sie eine autarke Kommune von Aussteigern vor und integrieren sich in sie.
"Eine Ferienanlage für Leute, die keine Ferienanlagen mögen", so beschreibt der Erzähler treffend die Situation (mich hat es irgendwie an eine Trewa-Convention erinnert).
Doch bald muß er erkennen, daß die Idylle nur oberflächlich ist. Nach einem Haiangriff erkrankt ein Mitglied und wird aus der Gemeinschaft entfernt, da er die gute Stimmung stört. Man bringt ihn in den Wald zum sterben. Einzig Etienne bleibt bei ihm. Richard beginnt langsam durchzudrehen und auch die Marihuanafarmen, mit denen man die Insel teilt beginnen, Schwierigkeiten zu machen. Kein Paradies währt ewig...

Storytechnisch gesehen sehr sehr gut, aber die Umsetzung kränkelt arg. Hätte mir als reines Buch wirklich gut gefallen. Man hat versucht, die literarische Stimmung zu retten, indem man dem Protagonisten eine Erzählerstellung zukommen ließ, aber seine Kommentare bleiben eher oberflächlich und unglaubwürdig.

Was mich bei diesem Film am meisten irritiert hat, waren die Schwankungen, denen der Regisseur Danny Boyle anscheinend erlag. So erinnert der Anfang stark an einen David Lynch-Film, flacht dann unheimlich auf Mallorca-Seifenopern-Niveau ab, bekommt was Coppola-mäßige, was man fast als Hommage auf "Apocalypse now" verstehen kann, kriegt plötzlich eine sozialkritische Komponente um letztendlich wieder nach einem Corleone-typischen Höhepunkt Miami-Vice-mäßig unterkühlt auszulaufen.
Mein lieber Herr Boyle, das ist eindeutig zu viel des Guten, es zerhackt den Film in viele kleine Einzelsegmente, die Wirkung verpufft dadurch völlig. Da nützt auch eine für Boyle typische skurrile Einlage, einige Szenen als Videospiel darzustellen, nichts. Natürlich kommen da auch die Schauspieler nicht mit, man hat den Eindruck, der Regisseur hätte sie ziemlich ohne Anweisungen im Regen stehen gelassen. Leo gibt sich zwar Mühe, ist aber hier eindeutig eine Fehlbesetzung, vielleicht hätte der Regisseur an dieser Stelle besser seinen Favoriten Ewan McGregor einsetzen sollen. Ich nehme diesen Charakter vorne und hinten nicht ab.
Auch die anderen Handelnden bleiben eindimensional, auf einzelne stark ausgeprägte Charakterzüge festgelegt. Schade eigentlich, um so mehr, da es eine wirklich gute Geschichte ist, die der Regisseur hier fast ruiniert hat.

Die Landschaftsaufnahmen sind sehr schön, angeblich hat das Filmteam dafür den Strand im Naturschutzgebiet komplett ruiniert. Auch das ist schade, denn das Ergebnis war es definitiv nicht wert.

Insgesamt betrachtet kein schlechter Film, aber eben auch kein richtig guter. Wirkt prima auf der großen Leinwand, regt vielleicht sogar ein bißchen zum Nachdenken über soziale Strukturen und das Wesen des Massentourismus an. Kein unbedingtes Muß, aber wer's mag....