Wes Cravens Dracula
Dracula....das sind spitze Zähne, bauschige Rüschenhemden, alte knarzige Schlösser und eine gehörige Portion unterschwellige Erotik. Erstes und letzteres bietet uns Wes Cravens Dracula noch, die Hemdchen wurden allerdings eingetauscht gegen einen trendigen Mantel und die Handlung ins New Orleans der Neuzeit verlegt, denn immerhin handelt es sich bei diesem Film nicht um die x-te Wiederkäuung des klassischen Dracula, sondern um eine sehr erfrischende und für einen Horrorfilm wirklich gut durchdachte Fortsetzung.

Tief unter den Straßen Londons hütet Abraham Van Helsing ein schreckliches Geheimnis. Es gelang ihm nämlich über Jahrzehnte nicht, Graf Dracula zu töten und so nahm er ihn nur gefangen und nutzte dessen Blut, um ebenfalls ewig zu leben. A well deceived plan....however, it bears great risk…wie wir Starwars-Fans zu sagen pflegen. :)
Eine Verbrecherbande vermutet einen Schatz in den Kellergewölben und befreit so den fidelen Untoten, dessen Charismawelle besonders das weibliche Geschlecht schier umhauen kann. Dieser macht sich auf den Weg nach New Orleans, um Van Helsings Tochter zu finden, die auch sein Blut in den Adern trägt und zu der er sich hingezogen fühlt.

Ok, mehr will ich hier nicht verraten. Die Geschichte nimmt zwar einige zunächst sonderbar anmutende Wendungen, ist aber letztendlich sehr gut durchdacht und in sch logisch. Es bleiben keine Fragen offen, alle losen Enden fügen sich perfekt zusammen, die Charaktere reagieren endlich mal den Situationen angemessen. Prima!

Was mir besonders auffiel war, dass wir es diesmal nicht wie sonst üblich mit einem struntzdoofen Vampir zu tun haben, der im entscheidenden Moment schwächelt, den Helden seine Pläne verrät etc.. Ein großes Plus für diesen Film, der schließlich fast nur von der Hauptfigur getragen wird. Die „Guten“ sehen dagegen ein wenig blass aus, allen voran Christopher Plummer, der immer ein wenig bedröhnt wirkt.

Von den Drehbuchautoren schön eingeflochten wurden immer wieder Reminiszenzen an die klassische Vorlage, wie z.B. die drei weiblichen Vampire, die den menschlichen Protagonisten sichtlich einheizen. Somit trägt dieser Film seinen Titel meiner Meinung nach zurecht, vom Feeling her ist es ein Dracula-Film und nicht nur ein weiterer Vampirfilm. Gepaart ist das ganze mit einem trockenen, teilweise etwas arg platten, aber doch sehr lustigem Humor, manche Sprüche kommen einfach klasse rüber.

Und natürlich wurde auch hier nicht vergessen, dass Horrorfilme und Heavy Metal Musik zusammengehören. Find’ ich gut.

Die Special-Effects sind nett gemacht, nichts besonders, es erwarten einen die klassischen Sachen wie Vampir zerfällt in Nebel, Vögel, Wolf etc. (Setzen sie ein beliebiges Wort ein), Kameraführung ist normal, nichts besonderes hier.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass mich dieser Film positiv überrascht hat. Ich hatte nach so langer Zeit nicht mehr mit einem guten Horrorfilm gerechnet. Der Name Wes Craven (der diesen Film nur produziert hat) bürgt ja wie John Carpenter auch nur in ca. 50 % der Fälle für Qualität. Und eigentlich mag ich auch keine Vampirfilme, weil es ja doch immer nur das gleiche ist, zum x-ten Mal aufgekocht, nur mit anderen Schauspielern.
Aber dieser Film ist anders, er ist richtig klasse! Ich habe mich gegruselt, bin stellenweise zusammengezuckt, habe viel gelacht, habe mit dem sympatischen Dracula mitgefiebert, kurzum, es hat mir Spaß gemacht. An diesem Film gibt es nix zu meckern.