Rules of Attraction
Camden, Mitte der 80ger (im Film Mitte der 90ger) Jahre. Paul Denton war mal mit Lauren Hynde zusammen, liebt jetzt aber Sean Bateman und hat nebenbei eine Affaire mit seinem Exfreund Dick. Sean Bateman liebt Lauren Hynde, hat nebenbei aber diverse andere Affairen, Lauren Hynde ist theoretisch noch Jungfrau, bis auf diverse unbedeutende Affairen und liebt Viktor, der zur Zeit in Europa ist und dort diverse Affairen hat und sich nicht mal mehr an Lauren erinnern kann. Das Mädchen von der Essensausgabe hingegen liebt Sean, schreibt ihm anonyme Liebesbriefe, hat überhaupt keine Affairen und begeht letztendlich Selbstmord. Alle nehmen Drogen. Noch Fragen?

Ich weiß, wie das klingt. Und wenn ich euch sage, dass dies eines meiner Lieblingsbücher ist, wird euch das wahrscheinlich arg verwundern. Aber es ist so. Denn die ganze Geschichte ist einfach genial geschrieben und durchtränkt von Zynismus, Hoffnungslosigkeit und schwärzestem Humor. Entsprechend misstrauisch war ich, was die Verfilmung anging, denn es hätte schnell zu einem albernen Wer-bumst-hier-wen-Collegefilmchen verkommen können. Roger Avary sei dank, dass dem nicht so ist!
Der Film trifft das verstörende Living-on-the-edge-Feeling des Buches hundertprozentig.
Hut ab!

Erzählt wird die Geschichte bröckchenweise aus der Sicht der Hauptpersonen und im Gegensatz zu anderen Büchern, die diverse Protagonisten offerieren, mit denen man sich identifizieren könnte, stellt man beim Lesen fest, dass man sich mit allen Handelnden mitfühlen kann. Oder auch nicht. Dass sich die eigene Persönlichkeit irgendwie verteilt über alle vorkommenden Personen erkennen läßt. Oder auch nicht.
Der Film folgt diesem Muster und den Studenten episodenweise, teilweise an einem zeitlichen Fixpunkt ausgangnehmend und dann im wahrsten Sinne des Wortes rückwärts dorthin zurückkehrend. Stellenweise an einen Videoclip erinnernd.
Um die Sichtweisen und Gedanken der Personen zu verdeutlichen, wird oft wortgetreu aus dem zugrundeliegenden Buch zitiert. Klasse!

Schön ist auch die in den teilweise absurden Situationen auftauchende tragische Komik, wie z.B. Seans Kommentar, als Lauren ihn mit ihrer Zimmergenossin im Bett ertappt: "I only slept with her, because I'm in love with you!" oder "Since when does fucking somebody else mean that I'm not faithful to you?"

Was soll ich sagen? Dieser Film rockt! Definitiv! Da stimmt alles!

Oberflächlich betrachtet könnte man sagen, es geht nur um sexuelle Verwirrungen bei Teenagern, but inside .... inside ... inside doesn't matter…I gain no deeper knowledge of myself no new knowledge can be extracted from my telling. This confession has meant nothing…

Bret Easton Ellis rules!