Nochnoy dozor
Bereits seit Monaten wurde man mit Trailern überschüttet, so dass auch wir diesem Film nicht entsagen konnten. Dumm nur, dass man dadurch bereits alle guten und überraschenden Szenen kannte, so dass der Kinobesuch mir eher wie eine Geisterbahnfahrt dünkte, bei der die ganze Action im Wagen vor mir stattfand und schon vorbei war, als ich ankam. Schade. Manches hätte mich sicher sonst ganz schön erschreckt.

Kurz zur Story: Der Anton (nicht, nicht aus Tirol, aus Russland! Ihr könnt aufhören zu schunkeln) ist von seiner Frau verlassen worden und hätte sie gerne zurück, aber bitte ohne den vermeintlich fremden Braten, den sie in der Röhre hat. Deswegen sucht er eine Hexe in seiner Nachbarschaft auf, die sich auf professionelle Fernabtreibungen und Frauen-Retrieval-Programme spezialisiert hat (ja, ja, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit muss sich so mancher seine beruflichen Nischen suchen).
Die gute Dame legt auch gleich los, obwohl es sich Anton gerade mal wieder anders überlegt, als er die Auswirkungen zu spüren bekommt. Gestört wird das magische Zweierlei, als ein Stosstrupp auftaucht, die Hexe wegen Rumzauberei ohne Lizenz verhaften und Anton eröffnet, dass er ein „Anderer“ sei und sich spontan entscheiden müsse, ob er fortan gut oder böse oder tot sein möchte. (only a Sith deals in absolutes, das würde mir ja zu denken geben…hmmmm…) Was soll’s, denkt sich Anton, ich nehme da doch lieber Tor 1 und werde auch ein „Wächter der Nacht“.
Zwölf Jahre später treffen wir den wackeren Helden jedenfalls bei seiner nächtlichen Arbeit wieder, Chef bläst zur Vampirjagd und Anton wird dabei nicht nur gut vermöbelt, sondern hat auch noch Visionen von einem gigantischen Wirbel, der über einer tristen Hochhausgegend kreist und wohl die ganze Stadt verschlingen werden, wenn man ihm nicht die Luft rauslässt. Das beunruhigt Chef doch sichtlich und stellt flugs ein Entwirbelungs-Kommando zusammen, währenddessen Anton sich um das Opfer der Vampire, einen zwölfjährigen Jungen (Nachtigall…ick hör dir trapsen) kümmert. Apropos Nachtigall, helfend zur Seite stehen ihm dabei eine - lange Zeit als Eule verflucht lebende – Seherin und zwei Gestaltwandler – Tiger und Bär. (Oh, wie schön ist Panama…)
Nach einigem Hin-und Her und viel Blut und Spezialeffekten (ich will hier wie üblich auch nicht zu viel verraten) wird schließlich der Junge vor die gleiche Entscheidung gestellt, die Anton auch vor Jahren treffen musste und entscheidet sich – in diesem Fall verständlicherweise – für die Gegenseite, die „Wächter des Tages“, über die wir dann wohl im zweiten Teil der Trilogie mehr erfahren werden.

Das Gemeine an diesem Film ist, dass ich ihm wirklich alles nur erdenkliche Gute wünschen möchte, denn die Geschichte, die erzählt wird, ist sehr spannend und vielschichtig (wenn auch hier das Rad nicht noch einmal neu erfunden wird, man hat alles schon mal irgendwie gesehen/gelesen). Aber es ist dem Regisseur nicht gelungen, das Ganze adäquat visuell umzusetzen. Ich kenne das Buch (noch) nicht, aber man merkt, wie gut die Geschichte ist und ärgert sich, wie schlecht der Film stellenweise ist. Da steckt so viel Potential drin, im Prinzip werden ja auch gleich vier bis fünf kleinere Geschichten erzählt, die durch die Rahmenhandlung verbunden sind, und dafür reicht der Film nicht aus. Vieles kommt zu kurz. Vieles wird nicht erklärt. Man kann es sich zwar denken, aber es wird einfach nicht herausgearbeitet. Es plätschert so dahin, obwohl es viel mehr unter die Haut gehen könnte. Stattdessen muss man aber sinnloserweise die – anscheinend teuren – Spezialeffekte wiederholt einblenden oder andere Szenen völlig unnötig in die Länge ziehen und das ist einfach nur ärgerlich. Versteht mich nicht falsch, der Film ist immer noch ganz okay. Aber er hätte um Längen besser sein können und das merkt man ihm auch deutlich an. Es kommt einfach alles zu kurz. Schauspieler, Charaktere, Feeling….ARFFF!

Man sitzt im Kinosessel und empfindet nur pathologisches Interesse, wird aber in keinster Weise emotional involviert, weil die Storyline gleich wieder abschwenkt, wenn man auch nur einen Hauch von Verbundenheit empfindet. Es ist interessant, aber es ist nicht mitreißend. Mitreißend ist eher das Kopfkino, das hinterher stattfindet, wenn man in über die Geschichte grübelt. Aber ist das der Sinn eines Kinofilms? Ich denke nicht.

Visuell ist das Ganze enttäuschend, blutige Effekte sind vorhanden, teilweise auch blutiger und härter als sonst üblich, aber da man das immer nur für Sekundenbruchteile sieht, hat der Film eine 16er Freigabe geschafft. Trotzdem schüttelte es mich bei manchen Szenen. *würg* Die Kameraführung ist unter aller Sau, eher in Richtung Sensationsjournalismus, wir halten einfach mal drauf auf die Action und denken nicht über Winkel, Großaufnahmen etc. nach. Die Schauspieler tapern ziellos durch die Story, dem Hauptdarsteller möge man es gerade noch verzeihen, da er anscheinend immer irgendwie dauerbedröhnt bzw. völlig fertig ist, aber ansonsten. Pffft.
Die Effekte sind gut, man hat anscheinend auch viel experimentiert, es gibt gute Einsätze von Spiegeln und die Idee, dass Vampire stellenweise nur die Adern und das Blut der Opfer sehen, ist auch visuell schön umgesetzt. Aber diese zusammengenommen sehr wenigen sehenswerten Minuten können die weitere miese Machart nicht ausgleichen.
Schade, sehr schade!

Die DVD werde ich mir trotzdem holen, sobald sie rauskommt. Ist doch ein Film, den ich wohl öfters gucken werde, vielleicht sinkt das Gefühl noch nachträglich ein. Wenigstens kann ich die doppelten Szenen dann vorspulen….